Montag, 21. Dezember 2009

Herzlich willkommen.

Da ist es nun… das neue Jahr.


Fast noch unberührt. Der Weg liegt wieder neu vor mir, mit all seinen Bergen und Tälern und den Biegungen, die mir den Blick auf das versperren, was kommt. Hm. Was werde ich wohl alles sehen? Mein Bedarf an Spinnen wäre jedenfalls für die nächsten Jahre gedeckt *g*

Ich weiß noch nichtmal, ob ich's denn wissen wollte. Mich auf den nächsten Schritt zu konzentrieren, mich nicht von der Angst vor dem übernächsten lähmen zu lassen. Mich an den Dingen am Wegesrand zu erfreuen anstatt vor Sorge, den Gipfel nicht zu erreichen, den Blick zu senken. An Wegkreuzungen auch mal meinem Herzen zu folgen… Das alles ist wohl ein Ertrag des Jahres 2009. Nicht dass ich all das nun beherrschen würde. *lach* Aber ich habe es ausprobiert. Hab immer wieder neu Anlauf genommen, bin gestolpert, gefallen, aufgestanden. Hab mich vorgetastet, manchmal geschimpft und geseufzt und ja… bin hin und wieder auch stehen geblieben. Wie gut, dass sie da waren, die Wegbegleiter… sie haben mir zugehört (jaaaa… manchmal sogar bis zum Sonnenaufgang!), mich ermutigt, nach Auswegen gesucht und geholfen, haben manchmal geschimpft, gebetet, geteilt und bewirtet… *hach*


und ihren Kopf hingehalten, wenn Steffi alle Register der "wie-blöd-kann-man-eigentlich-sein" Orgel gezogen hat.

Bedeutet im Klartext: Kofferraumklappe auf, Handtasche rein, Einkaufsbeutel hinterher, Kofferraumklappe zu. Klingt jetzt nicht so spektakulär? Nun ja… das wäre es auch nicht gewesen, wenn besagte Handtasche nicht (neben 200.000 mehr oder weniger verzichtbaren Kleinteilen) Autoschlüssel, Hausschlüssel, Portemonnaie, Pass UND -tataaaaa- Hand mitsamt allen wichtigen Nummern enthalten hätte. Noch bevor das klangvolle "rumms" verhallt war, wusste ich, dass ich ein Problem hatte… 20 km weit weg von zu Hause, lediglich bewaffnet mit einem Kleinkind, umgeben von einem Reifenhandel und einem Großmarkt für Obst und Gemüse. Sah so aus, als bräuchte ich Hilfe… DRINGEND! Im Nachhinein betrachtet, finde ich es fas erstaunlich, wie ruhig ich geblieben bin… also für MEINE Verhältnisse *grins* Das Wissen um die Verantwortung für den mir anvertrauten Q, der emsig kleine Steinchen von A nach B schleppte und dabei sehr seriös klingende Laute von sich gab, ließ mich sehr zielstrebig agieren, wozu gehörte, alle Anflüge von Panik gegen zielführende Aktivität einzutauschen. Irgendwie MUSSTEN wir in das Auto kommen oder zumindest jemanden erreichen… und irgendwie WÜRDEN wir es schaffen.

Nun ja… und da ich auf die "Ruf doch einfach die Auskunft an und frag nach der Firmennummer des Vaters" erst im Nachhinein kam (naaajaaaaaaaaaa… ich hab doch gesagt: Für MEINE Verhältnisse ruhig *g*!) wurden wir dadurch zum Fall für ganz oben. Jaaaa… für GANZ oben! Denn nachdem ich sofort im Großmarkt um Hilfe gebettelt hatte, sich deren Hilfsangebot jedoch auf die Möglichkeit eines Anrufes beschränkte (was ohne Nummern ja irgendwie nicht allzu zielführend war…) kam er auch schon: Mein persönlicher Engel. Ohne Flügel (ich hab den Eindruck, die sind bei Erdeinsätzen nicht allzu angesagt), dafür aber mit mächtig breitem Kreuz und beeindruckend schmutzigen Arbeitsschuhen. Der schaffte es zwar nicht, mein Auto aufzubrechen (ja… er HAT es versucht… geschlagene 30 min lang. Aber es hat sich erfolgreich gewehrt und alle seine Knöpfe fest nach unten gedrückt… das BIEST!), machte mir aber Mut, suchte nach Lösungen und schließlich mit mir eine halbe Ewigkeit lang die Firma von Q's Vater. Die lag nämlich nicht allzu weit von unserem Standort entfernt… nur war mir dummerweise die Adresse entfallen. Und was in Australien "Hier gleich in der Nähe" heißen kann, hatte ich ja bereits erwähnt. Als wir sie schließlich tatsächlich fanden, fielen mir Gebirge vom Herzen. Und er verschwand… noch bevor ich ihn nach seinem Namen fragen konnte. So konnten wir uns nicht einmal erkenntlich zeigen… So viel Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Zeit an eine Fremde zu verschenken und das mitten im Alltag finde ich echt vorbildlich!

Was bleibt, sind ein Berg Dankbarkeit, eine ganze Portion Ärger über mich selbst und eine akkute "Schlüssel-im-Auto-einschließ-Phobie", die hoffentlich verhindert, dass mir sowas nochmals passiert. Zumindest für die nächsten 20 Jahre :)


Daneben hatte ich das Privileg, in den letzten Wochen in australische Weihnachtsbräuche eingeführt zu werden.

Zu denen gehörte auch die Teilnahme an "Carrols by Candlelight", einem kollektivem Weihnachtsliedersingen im Park, zu dem sich tatsächlich mindestens 1000 weitgehend rotbemützte Australier mit Picknikausrüstung und (tataaaaa: Waldbrandgefahr) blinkenden Plastik-Kerzen im Grünen einfanden, um gemeinsam mit Orchester und diversen Profis "Jingle Bells" und andere Absurditäten zu schmettern: Einfach anders, sehr sympathisch und wie ich finde typisch "aussie".


Genau wie die so genannten "Christmaslights", die mir schlussendlich nun doch meinen Kulturschock bescherten. Jaaaa...

auch hier schmückt man die Fenster… und nicht nur die. Zwar nicht überall, aber wenn, dann richtig. Dafür kidnappt man dann auch schon mal Homer Simpson, steckt ihn in Santa-Claus-Uniform und zwingt ihn dazu, Weihnachtslieder im Vorgarten zu performen. Wenn man sich dann noch dazu hinreißen lässt, eines der in kleinen Buden am Straßenrand angebotenen Laserschwerter zu kaufen, die das ganze Ambiente mit farbenfrohem Lichterspiel und klirrender Wiedergabe des (unbestreitbar ultimativ weihnachtlichem) Klassikers "Axel F" abrunden, ist das Glück perfekt. Jaaaaa… da leuchten nicht nur die Kinderaugen sondern mit Sicherheit auch die der Energieversorger… Weihnachten: Das Fest der Nächstenliebe.


Abreagiert habe ich mich dann auf der Great Ocean Road - einem der Wahrzeichen Australiens, das als Kriegsdenkmal errichtet wurde und nun die Möglichkeit bietet ca. 200 km mehr oder weniger direkt an der Südküste Australiens entlang zu cruisen. Mein erster kleiner Roadtrip über zwei Tage, mit Koalas, Regenwald, berauschenden Aussichten, tollem Wetter (zumindest an Tag 1…), 100000 Fotos und dem besten Eis der Welt! Die Werbung für den kleinen Betrieb, in dem das Eis offenbar mit viel Liebe selbst hergestellt wird, hatte ich auf einem Flyer entdeckt, den ich irgendwann mal irgendwo eingesammelt hatte (genau wie 563 andere, die nun die Belastbarkeit meiner Nachttischschublade HART auf die Probe stellen… aber man KÖNNTE sie ja doch vielleicht IIIIIRGENDWANN mal noch brauchen…). Und oh WUNDER: Ich fand ihn im richtigen Moment wieder und wir labten uns an überdimensional großen Wunderkugeln. Genauso nachhaltig, wenn auch in anderer Hinsicht, war der Anblick der 12 Apostels. Auch wenn schon lang nicht mehr 12 spitze Felsen in der Nähe von Apollo Bay aus dem Ozean ragen, gehören sie wohl noch immer zu einem der Höhepunkte der ganzen Strecke. Wir hatten das Glück, genau zum Sonnenuntergang dort anzukommen, der die ohnehin schon roten Felsen und den roséfarbenen Sand zum Glühen brachte und mir postkartenreife Fotos bescherte. Unglaublich. Wenn ich mir die Fotos im Nachhinein noch einmal anschaue, fällt es mir fast schwer zu glauben, dass ich wirklich dort war.




Die verbleibende Zeit war gefüllt von allerlei Alltagen, Fortschritten von Q (jaaaaaaaa: ICH habe ihm das Bye-Bye-Winken beigebracht, was er jetzt auf Knopfdruck kann. Geradezu ein Paradebeispiel für alltagsrelevantes Lernen!!! *g*), Weihnachtskarten, Sommertemperaturen und Strandbesuchen, ein wenig Heimweh, unzähligen Skype-Telefonaten und dem Suchen und Finden von Weihnachten. Ja… Finden. Auch wenn mir Familie, Kälte, Lichterglanz und Weihnachtsduft wirklich gefehlt haben, war es doch ein sehr besonderes Weihnachtsfest für mich. Schwer zu beschreiben… es war, als ob ER auf mich gewartet hätte. Wie, als hätte er mir zugezwinkert, mit einem Lächeln im Gesicht: "Los komm! Grund zum Feiern…" Und das haben wir gemacht. Ich mit Sommerkleid und Sandalen… die ich erste mal in meinem Leben zu Weihnachten getragen habe :) Zum Mittag gab es Sushi (oh jaaaa, ich weiß… Sushi zu Weihnachten… das hat nahezu anarchistische Züge) und am Abend sind wir nach dem Gottesdienst tatsächlich noch gemeinsam weggegangen. Haben lecker gegessen und lecker Cocktails getrunken. Weltpremiere… und sooo gut.


Am 25. war ich schließlich von einer australischen Freundin zur Familienfeier eingeladen. Hier gab es bunt gemischtes Essen, herzliche Polen, Tschechen und Australier UND zum Abschluss sogar Rosen aus dem Garten. Im Dezember :)

Mit Sicherheit: In diesem Jahr werde ich die Erzgebirgsweihnacht im Kreise meiner Familie doppelt genießen. Aber mein besonderes Weihnachtsfest im Jahr 2009 werde ich wohl nie vergessen.


Nun, da ich hier bei nahezu tropischen Temperaturen auf meinem Bett liege und diese Zeilen schreibe, liegt das alles schon fast zwei Wochen zurück.

An Silvester hat mich die Hitze so sehr geschafft, dass ich mich am Abend eigentlich nur noch nach einem Bett aus Eiswürfeln gesehnt habe. Die 35 Grad Außentemperatur hatten nach zwei Tagen jeden Winkel des Hauses erobert (hatte ich bereits erwähnt, dass wir zu den ausgewählten Haushalten in Australien gehören, die KEINE Klimaanlage und KEINEN Pool besitzen!?) was bedeutete, dass es außer dem Supermarkt keine wirkliche Zuflucht mehr gab.

Da ich mich aber dann doch gegen die Müdigkeit und für die Gemeinschaft entschied, habe ich den Silvesterabend mit etlichen Leuten aus der Gemeinde verbracht. Nun… Singstar und Guitar-Hero sei Dank gab es viel zu lachen. Und dennoch habe ich mich ein wenig fremd gefühlt. Drei Monate sind eben doch nicht die Welt und Vertrautheit braucht Zeit. Und da wir zu weit von der City entfernt waren, die zudem zu späterer Stunde noch im Platzregen versank, habe ich nicht Melbournes Feuerwerk gesehen (dafür aber das von Sydney - im TV :D).

All das war aber für mich nur halb so schlimm. Zum Jahreswechsel, auf der Schwelle zwischen altem und neuem Jahrzehnt, in Australien zu sein, auf das Jahr zurückzublicken und zu sehen, wie sich manches gewandelt hat, hat völlig ausgereicht, um mich lächeln zu lassen. Leise und nur für mich. Aber voller Hoffnung und mit ein wenig Abenteuerlust. 2010… da bin ich, um dich zu erobern!



Montag, 7. Dezember 2009

Weihnachten. Weihnachten?

Sonnenschein. Das Sommerkleid ausführen. EIn Spaziergang durch den Park. Cappuccino trinken im Café. Die Decke auf der Wiese ausbreiten. Blauer Himmel über mir - 2. Advent.


Schon bevor ich in Deutschland meine Koffer gepackt habe, war ich ein wenig gespannt, wie die Adventszeit hier aussehen würde,...


...wie Weihnachten wohl sein würde - weit weg von zu Hause, von Familien und Freunden, von Kälte, Dunkelheit, Weihnachtsmärkten und Lichterglanz. Ich hatte erwartet, dass es anders sein würde. Hier angekommen muss ich allerdings feststellen, dass Weihnachten für mich hier nahezu unerreichbar ist.

Das Wetter (abgesehen von "Soviel Regen hatten wir seit Jaaaahren nicht" Wochen) und die Temperaturen lassen mich völlig vergessen, dass sich das Jahr dem Ende neigt. Die länger werdenden Tage laden eher zum Grillen ein als zum gemütlichen Beisammensein im Kerzenschein, Glühwein würde mich hier wohl sofort ins Delirium befördern, Pfefferkuchen schmecken bei der Wärme irgendwie nicht und mit dem Räuchermann kann man hier eher die Mücken vertreiben als dass sich damit eine einigermaßen authentische Weihnachtsstimmung erzeugen lässt. Es fühlt sich eher wie ein Sakrileg an, wenn sich der Weihrauchduft bei 27 Grad im Zimmer ausbreitet. Räucherkerzen mitten im SOMMER!? Sowas MACHT man doch nicht!


Da hilft auch kein Weihnachtsbaum. Überraschenderweise haben wir seit dieser Woche sogar einen! Dummerweise sieht der nicht aus wie ein Weihnachtsbaum und trägt eine blinkende bunte Lichterkette im Eiswürfel-Design, die ihren Blinkmodus sogar SELBSTSTÄNDIG variieren kann und das auch mit einer penetranten Regelmäßigkeit tut (…was den Erzgebirger mit sofortiger Wirkung nachhaltig erblinden lässt).


Nein. Weihnachtsbäume wirken hier fast befremdlich und das dezente Jingle Bells im Supermarkt macht hier als Weihnachtslied überhaupt keinen Sinn… Sollen sie HEIR doch mal "Last Christmas" spielen! Das dürfte doch schneefrei sein… Das habe ich, unglaublich aber wahr, noch nicht EINMAL gehört! Ich frage mich auch, ob den Kindern hier auffällt, dass Santa Claus in DEM Outfit schon nach 10 Minuten den Hitzetod erleiden würde…


Wie dem auch sei. In mir kommt nicht ein Hauch eines vorweihnachtlichen Gefühls auf.

Bin ich denn wirklich so abhängig von all diesen Äußerlichkeiten? Von der Kälte, von der Dunkelheit am Abend, von dem Duft eines Weihnachtsmarktes, eines Räucherkerzchens, eines gerade entzündeten Streichholzes? Von der Atmosphäre beheizter Räume, dem Lichterspiel, das eine Pyramide an die Zimmerdecke zaubert, dem Anblick beleuchteter Dörfer, die sich wie kleine Lichterpfützen in den Tälern sammeln und glitzernden Weihnachtsbäumen in den Vorgärten? Macht DAS denn wirklich Weihnachten für mich aus?

Wohl mehr als ich dachte. Schon allein das Niederschreiben dieser Wörter löst in mir bereits etwas aus. Scheinbar haben all diese Rituale und Symbole, all diese Äußerlichkeiten einen unheimlichen Einfluss auf meine emotionale Befindlichkeit. So als würden sie mir signalisieren: Es geht los! Mach dich bereit!

Hier, wo all das fehlt, scheint Weihnachten nahezu unmöglich zu sein.


Eine Erkenntnis, die mich überrascht und nachdenklich macht. Denn EIGENTLICH weiß ich doch worum es geht.

Predige es mir und den anderen jedes Jahr. Es geht um IHN. Um Jesus. Der sich für mich entschied. Ich war es ihm wert. Meine Freiheit. Sie war IHM alles wert. All den Schmerz, all den Verlust, all die Kälte und all die Dunkelheit durch die er ging. DAS ist Weihnachten. DAS ist der Kern, der doch eigentlich unabhängig von der Hülle ist, in die wir ihn verpacken. Eigentlich weiß ich das. Und doch fällt es so schwer, Weihnachten hier zu greifen. Sogar am Adventssonntag. Hm… Stoff zum Nachdenken…


Ansonsten habe ich in den letzten anderthalb Wochen eine "Sightseeing-Pause" eingelegt.

Um all die Bilder setzen zu lassen, ein wenig Zeit für andere notwendige Erledigungen frei zu räumen und zu sondieren, was ich vielleicht ein zweites Mal sehen möchte und welche neuen Ziele noch sehenswert sein könnten.

Daneben musste ich verkraften, dass meine Schwester nun doch nicht mit mir Australien verunsichern wird, was bedeutete, Pläne aufzugeben und umzuschmeißen - nachdem die Tränen getrocknet und die Taschentücher beseitigt waren.


Das verschaffte mir allerdings einige Gelegenheiten, mit der entzückenden deutschen Lea Melbournes ebenso entzückenden Stadtteil St. Kilda zu erkunden und Zeit mit "meinen" Australiern zu verbringen.

Ihre Freundlichkeit, ihr Interesse und ihr Humor machen es mir leicht, über meinen Schatten zu springen, mich immer wieder neuen Leuten zu öffnen und mein Englisch durch unzählige Fehler zu verbessern. Ich habe in den letzten Wochen nicht nur "Dornrosken waaar war aaain schoooune Kind" als die letzten Überreste eines irgendwann abgesessenem Deutschunterricht identifiziert und habe gefühlte 2000 Mal betont, dass ICH Rammstein im Gegensatz zu scheinbar aaaaallen Australiern jetzt nicht sooooo toll finde, NACHDEM ich die obligatorische Frage nach dem Fahren auf deutschen Autobahnen beantwortet hatte.

Ihnen habe ich zu verdanken, dass meine Kamera wieder geht… ohne, dass ich auch nur einen Cent dafür bezahlt habe. Tatsächlich… ins Objektiv war Sand geraten. Doch meine Kamera wurde an fähige Menschen weitergeleitet, die sowohl Knoff-How als auch Werkzeug besaßen um das Objektiv zu zerlegen, den Grund allen Übels zu beseitigen und die Kamera danach wieder funktionstüchtig zu bekommen. Jetzt habe ich sie wieder, bin wieder ein ganzer Mensch und sooo glücklich.

Wenn ich doch zuweilen auch nicht ALLES im Bild festhalten will...:






















An einem Samstag Abend waren wir in Melbourne unterwegs. Auf dem Weg in die Stadt gab es einiges zu sehen: Reiche Viertel, deren Straßen von sündhaft teuren Brautmodengeschäften und Boutiquen gesäumt waren, Melbournes Wolkenkratzer und die geschäftige, aufgebretzelte und weitgehend gut gelaunte Menge auf dem Weg in all die Clubs, Pubs, Cafés und Theater.

Soweit so gut. Als wir dann allerdings an einer Ampel direkt an Melbourne Albertpark zum stehen kamen, kam ich nicht umhin, die riesigen Fensterfronten eines großen Hotels direkt an der Straße zu betrachten und entdeckte da hinter der Fensterscheibe im fünften oder sechsten Stock eine vermeintliche griechische Statue. Die Arme in die Hüften gestemmt, den Blick in die Weite gerichtet, sich in voller Größe der Welt hingebend… unbekleidet. Und mit unbekleidet meine ich… wirklich unbekleidet. Total unbekleidet. Der Umstand, dass sich vermeintliche Statue dann plötzlich bewegte (aber nicht um sich anzuziehen… NEEEEEEIIIIN… nur um den Kopf in "was kostet die Welt Manier" von rechts nach links zu schwenken) löste in mir eine dezente Hysterie aus.

Ich glaube, nun haben meine australischen Freunde auch DIESE Seite von mir kennen gelernt… DIE Steffi, die mit weit aufgerissenen Augen quietschend auf dem Rücksitz herumhoppelt und immer wieder "There was a naked maaaaaan" skandiert, hin und wieder aufgelockert durch ein dezentes "AAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHH!"


Ähhhh… ja. Nach meinem naiven Dop-Bear Reinfall und der Tatsache, dass ich irgendwie JEDES Mal bevor wir aufbrechen nervös meine Handtasche nach Handy und Schlüssel durchsuche (Was heißt durchSUCHEN! Ich tauche gewissermaßen in meiner Tasche… versuche auf den Grund zu kommen und finde dabei alles mögliche, nur nicht das was ich will. Räume alles aus um dann im allerletzten WINZIGEN Fach das zu finden was ich suche. Das alles untermalt von nervösen Lauten und panischen "Where's my key!? Did I lost my mobile!?" Ausbrüchen), ganz zu schweigen von dem Umstand dass ich auf Parkplätzen immer mein Auto suche und für jede auch schon tausendmal gefahrene Strecke immer wieder eine Wegbeschreibung will, kennen sie nun auch DIESE äußerst vorteilhafte Seite meiner selbst.

Solange sie mich immer noch mitnehmen, bin ich glücklich. Und WENN es aus Mitleid ist…


Was ganz gut in dieses Konzept passt, ist eine kleine Episode, die ich mit Q in der letzten Woche erlebt habe.


Ich war zwei Tage ein wenig kränklich und lag viel auf dem Sofa. Q saß neben mir auf dem Boden, wirkte eigentlich ganz zufrieden und untersuchte mit ernstem Gesichtsausdruck und sehr seriös klingenden Lauten dies und das. Auch mein Handy, das irgendwie im Laufe der Untersuchungen herunterfiel und seinen Akku verlor. Ach… nich so schlimm! Ohne Akku, kann ja nix passiiieeeeeren!

Und plötzlich verschwand er. MIT meinem Handy… ein Detail, dass mir irgendwie entgangen war, bis ich ein leises "ohhhh" aus Richtung des Badezimmers hörte.

Ich folgte Geräusch und Intuition und so standen wir nun beide da und betrachteten ein Wunderwerk der Technik… unter Wasser… auf dem Boden der heimatlichen Toilette. Ja, tatsächlich. Q war mit meinem Handy direkt ins Badezimmer seiner Eltern marschiert und hatte selbiges zielstrebig in der Toilette versenkt. Was auch sonst? Jaaaa Rick… ich sehe dich DIREKT vor mir! Wie du dir die HÄNDE reibst, wenn du das liest und Genugtuung empfindest für das, was ICH dir damals antat. Wie gut, dass ICH dich inclusive deines einzigartig antiken Handys nur in den See geworfen habe, oder!? Da kannst du mal sehen, was alles so möglich ist! :D Aber weil ich damals so herzzerreißend Buße getan habe, wurde auch mir Gnade gewährt. Denn todesmutig habe ich mein Telefon den Fluten entrissen und es liebevoll getrocknet - Fürsorge, die es mir nun mit wieder hergestellter Funktionstüchtigkeit dankt. Die einfachen Dinge sind doch hin und wieder die Besten! So lange mein Mobiltelefon DAS mitmacht, braucht es keine Kamera! :D


Wenn DAS kein Weihnachten ist!?

Die wunderbare Wiedergeburt von Kamera und Handy… ganz ohne Finanzspritze, ganz einfach geschenkt.


Ich hoffe, ich kann ihn noch finden. Den Kern der Weihnacht. Für mich persönlich. Und ihn in mein Herz pflanzen. So dass er dort Wurzeln schlagen kann und Blätter, Blüten, Früchte treibt. Früchte, die ich verschenken kann und die mit SICHERHEIT keine blinkende Lichterkette tragen müssen!


Freitag, 20. November 2009

Zeitsprünge und andere Übungen

Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht.

In der ersten Woche tröpfelten die Stunden so langsam vor sich hin, dass ich schon nach drei Tagen eine Art von "Mann bin ich schon lange hier"-Stolz entwickelte… und plötzlich bin ich schon mehr als vier Wochen hier (und verfehle NOCH IMMER hin und wieder den Eingang in unsere Straße… nein, nicht weil ich die Kurve nicht kriege, sondern weil ich die Straße nicht wiederkenne. Manche Dinge ändern sich wohl nur schwerfällig… Nicht wahr, Sabine: Ganz Chemnitz ist voll von "Wohnte-hier-nicht-der-Benny?-Straßen"! Zumindest für MICH!).

Ich fühle mich, als sei irgendwann ein Damm gebrochen… Nun reißt es mich fort - quer durch die Zeit - und ich schwimme so gut ich kann. Versuche, meinen Kopf über Wasser zu halten um so viel zu sehen wie möglich. Und genieße das Gefühl, hin und wieder den Boden unter den Füßen zu verlieren und etwas ganz neues zu wagen.


In den letzten Tagen steckte mein Kopf allerdings mehr in unserem Küchenschrank als im Wasser :)

Dort wühlte er sich durch Berge von Nudel-und Haferflockenpackungen, Zwiebeln und Tonnen von Dosentomaten und erdachte ein System um genau diese gebührend zu archivieren: Ein bisher unbekannter Teil meiner selbst scheint doch einen Hauch deutscher Ordnungsliebe konserviert zu haben.

Jedenfalls erntete ich gehörigen Beifall, nachdem ich meine Aufräumarbeiten abgeschlossen hatte und jaaaaa, sie gehen nun davon aus, dass den Deutschen die Ordnung im Blut liegt… aufgrund MEINER unglaublichen Leistung! :D



Und so haben wir in der letzten Woche doch recht viel gearbeitet: DIe Steffi kroch durch die Schränke, Q verteilte deren Inhalt mit seeeehr geschäftigem Blick überall im Haus und unser Zuwachs, die Katzenbabys, hatte dann seinen Spaß damit… was Steffi wiederum dazu bewog, all die guten Dinge wieder einzusammeln und so das Spiel von vorn beginnen zu lassen. Hach ja… man muss ja auch mal was TUN für sein Geld!


Nebenher koche ich mich, verantwortlich für 3 warme Abendessen in der Woche, quer durch alle Kochbücher und probiere die wildesten Kreationen aus: Frei nach meinem Motto: Je übler es klingt, desto besser schmeckt es. Ich wurde gleich nach meiner Ankunft ermutigt, zu kochen was ich möchte. Gleichzeitig wurde mir versichert, dass sie alles, aber auch wirklich alles essen würden. Nun…dann reize ich diese Gelegenheit so richtig aus! Bisher haben sie Wort gehalten und ich echt was dazu gelernt!

Probanden, die das Ergebnis meiner Experimentierphase im eigenen Leib erleben möchten, können sich ab sofort anmelden! Für das Jahr 2010 sind noch einige Plätze frei… :D



Doch nicht nur in der Küche gewinne ich neue Erkenntnisse, auch meine freien Tage halten genügend Lernpotenzial bereit.

In den letzten beiden Wochen hab ich die damit verbracht, in der Goldgräberstadt Ballaret Goldbarren im Wert von über 100.000 AUD in die Kamera zu halten, die Küste von Mornington Peninsula zu erkunden und in Melbourne Parkplätze zu suchen. Stundenlang. Das nächste Mal fahr ich mit dem Zug rein. Oder nehme Kleingeld mit… Das braucht man nämlich, um dem Parkautomaten einen entsprechenden Parkschein zu entlocken, der dann wiederum verhindert, dass man ein Knöllchen bekommt. Bei den Preisen hier wohl eher eine Knolle… denn wenn es stimmt, was man so hört, zahlt man für Falschparken hier schnell mal 60 AUD. Also hab ich zunächst tatsächlich versucht, am Sonntag einen kostenlosen

Parkplatz zu finden um dann nach einer Stunde sinnlosem linksabbiegen-rechtsabbiegen-linksabbiegen-rechtsabbiegen das Objekt "Geldautomat" zum temporären Primärziel zu erklären. Als ich dann endlich entsprechenden Automat der richtigen

Bank (WÄHREND der Fahrt) geortet hatte und das ihm entlockte Geld in Münzen getauscht hatte, war der Nachmittag im Grunde gelaufen.

Denn ich war komplett durchgeschwitzt, mit den Nerven fast am Ende, hatte nur einen Parkplatz für 2,5 Stunden und dafür fast ebenso viel bezahlt, wie für eine 2-Zonen Tageskarte. "Just criminals pay cash" hat James mir beigebracht… dafür sind Kriminelle aber wenigstens in der Lage Parkscheine zu lösen… und Straßenbahntickets. Wäre also eine Überlegung wert... :)

In der Straßenbahn bereicherte mich meine chronischer Kleingeldmangel allerdings um ein ziemlich lustiges Erlebnis.

Denn ich war schon eingestiegen, als ich in die leeren, dunklen Schluchten meines Portemonnaies schaute und feststellte, dass ich mit dem nächstbesten Metlink-Officer wohl ein kleines Problem haben würde, da auch hier die Automaten weder Karten noch Scheine nehmen. Gut, im Ernstfall hätte man immer noch die Survival-Kombi anwenden können: Unschuldig verunsichertes Lächeln, herzallerliebster Augenaufschlag und deutscher Touri-Akzent der allerfeinsten Sorte, in dem jegliche Ansätze eines korrekt intonierten "th" eliminiert wurden… Aber da ich mein Geheimwaffen-Arsenal doch nicht überstrapazieren wollte, entschied ich mich für die legale Variante: Das Bezahlen. Was voraussetzte, dass der Schein in Münzen umgewandelt werden musste (wenigstens hatte ich HIER Geldscheine dabei… im Gegensatz zu meiner Park-Odyssee). Ich fragte also das erstbeste Pärchen, das ich in der Bahn erspähte, ob sie mir 5$ kleinmachen könnten, was sie mit - ich übersetze - "Leider nicht, wir haben auch gerade ein Ticket gekauft" freundlich verneinten. Allerdings nur solange ich mich ihnen zuwandte… Denn als ich mich umdrehte, um meine Suche an anderer Stelle fortzusetzen, ließ sie sich doch tatsächlich zu einem "Also… sowas WEIß man doch eigentlich…!" hinreißen - auf DEUTSCH. Tja… ich musste mich nur umdrehen und "Ja… ich glaub, ich bin dafür einfach noch zu neu hier" sagen, um sie zum Erröten zu bringen, wobei ihr Freund den Voupas frenetisch feierte. DIE Lektion habe auch ICH gelernt…


Ansonsten habe ich mein Auto vor allem außerhalb der Stadt durch das Land gescheucht.

Gemeinsam mit zwei anderen Aupairs habe ich Ballarat besucht und dort mal

das volle Touristenprogramm mitgenommen: Wir haben uns eine nachgebaute Goldgräberstadt angeschaut, die zeigte, wie Menschen vor über hundert Jahren hier ihr ihr Glück gesucht haben und haben Goldnuggets und andere wertvolle Dinge im Goldmuseum bewundert. Auch in den letzten Jahren wurden hier noch riesige Nuggets gefunden, nur 35 cm unter der Erdoberfläche. Vielleicht solle ich meine berufliche Laufbahn nochmals überdenken…



Ein wenig Goldstaub durfte ich bereits jetzt schon schnuppern. Denn ungeachtet der Tatsache, dass gerade Mittagspause war, spazierten wir einfach in ein Gebäude der nachgebauten Stadt und trafen dort auf einen höchst sympatischen Australier, der äußerst gut gelaunt war und sich von uns bereitwillig um den Finger wickeln ließ. Erst scherzten wir ein wenig, dann funkelte er uns an, öffnete eine eine Tür, dann einen Tresor und drückte uns einfach einen Goldbarren in die Hand, um uns DAS Foto schlechthin zu bescheren. Wahrscheinlich gefielen wir ihm einfach… die drei jungen deutschen Nannys :D Denn alle anderen durften das Gold später nur aus gebührender Entfernung betrachten, geschweige denn berühren!


Auf dem Rückweg nahmen wir dann einen kleinen Umweg (Ha! Die Metamorphose meines Entfernungsempfindens ist abgeschlossen… ich spreche hier nämlich von 100 km!) und wählten den Weg durch den Bush. Wir

folgten schmalen Straßen, die komplett ohne Häuser, Tankstellen, Geschwindigkeits- oder Richtungsschild auskamen, dafür aber von Känguru-Warnhinweisen und lustigen Briefkästen gesäumt waren die meiner Meinung nach ziemlich gut widerspiegeln, was ich von den Australiern bisher kennen gelernt habe: Jedem seine kleine Meise :) (Oder wie besagter Mitarbeiter uns im Zuge unserer lustigen Konversation zuraunte: "Should I tell you something about the Aussies? We Are straaaaange." Ja. Hab ich auch schon gemerkt!) …Aber das ist mir nochmal einen Extra-Post wert!


In dieser Woche umrundeten wir schließlich die Bucht, in der Melbourne liegt und besuchten die Gegend um Mornington Peninsula. Das Wetter war soooo toll und die Strände einfach atemberaubend. Glasklares Wasser, in dem ich sogar eine Handvoll bunt gepunkteter Fische gesehen habe. Ich glaube, ich war die ganze Zeit nur damit beschäftigt all die kleinen Strandwunder zu suchen und zu finden und buddelte mich so durch die Gegend. Zumindest sieht das auf den Fotos so aus, die ich von den anderen Mädels bekommen habe… wie VORTEILHAFT! Genau aus DEM Grund fotografiere ich lieber SELBST!






Da meine Kamera allerdings in Wilsons Prom Sand verschluckt hat, kann ich genau das nicht. Glücklicherweise hat man sich ihrer angenommen, ist allerdings bisher noch nicht zu einem befriedigendem Resultat gelangt. Ich hoffe auf Wiederherstellung und bete um Heilung - und bin bis dahin abhängig von den anderen…


Nur noch reichlich drei Wochen und dann buddelt sich meine Sabine MIT mir durch den australischen Sand. Dann kriegen wir uns gar nicht mehr ein vor Begeisterung, werfen uns gemeinsam in die Wellen und in den Wetsuit. Dann wird Bekanntschaft mit Tasmanien gemacht und die Great Ocean Road verunsichert - Aber so RICHTIG! Ohhhh wie ich mich freue! Bis dahin klaube ich Katzenbabys aus Vorhängen, jage Q kichernd um den Tisch und lasse meiner Ordnungswut freien Lauf… vielleicht auch mal in MEINEM Zimmer! :D

Montag, 9. November 2009

Mächtig gewaltig


Hatte ich mich eigentlich JE über das Wetter beschwert?


Ich hebe meine Hände, hisse die weiße Flagge und nehme alles zurück!

Denn die Regenwolken haben uns verlassen und hinterlassen einen strahlend blauen Himmel, der viiieeeel Platz für die Sonne bietet. Welche diesen voll nutzt und uns Temperaturen um die 30 Grad beschert. Das wird seitens der Australier mit Barbecues, reduzierter Kleidung, Sonnencremeschichten und Klimaanlagen honoriert: Der Sommer ist da. Aber wie! …Was die Melbournianer allerdings nicht davon abhält, ihre Stadt dezent weihnachtlich zu dekorieren. Mit Weihnachtsbäumen, Sternen und JAAAA Schneeflocken. Weihnachtsbäume und Sterne… OK. Das verkraftet mein Erzgebirgsherz GERADE noch so. Aber WER bitte ist auf diese Schneeflocken-Idee gekommen? Bestimmt derjenige, der entschieden hat, erwähnte Klimaanlagen zu solchen Höchstleistungen zu treiben, dass man bei Betreten des Supermarktes am liebsten die Skibekleidung anlegen möchte. Wohl eine Reminiszenz an die Novemberkälte in Good old Europe?

Ich für meinen Teil habe mein Räuchermännchen schon mal rumgezeigt und seine Inbetriebnahme angekündigt. Und beim Anblick meines Magic Snow Powders (hahaaa… wer es noch nicht kennt darf gespannt sein!) zucken mir hin und wieder die Hände. Aber NOCH ist die Zeit nicht gekommen… NOCH nicht!



Die Zeit bis zum ersten Adventssonntag

überbrücke ich derweilen mit Q, Supermärkten, Putz- und Kochutensilien, Wäsche, Parks und - nicht zu vergessen- Babyschwimmen. Das ist selten spektakulär, lässt sich aber gut bewältigen und macht mir recht viel Spaß. Da im Moment Qs Großmutter aus den USA zu Besuch ist wird das Ganze auch selten langweilig, da ursprünglich aus Spanien stammt und dies in ihrem Temperament nach außen zu tragen pflegt.

Sie findet IMMER ein Thema, über das es sich zu sprechen lohnt… Immer. :)

Das liegt mir wiederum sehr, da ich so lerne, Pekapies zu backen, eine Einführung in spanische Geschichte und amerikanische Lebensart erhalte und in Lobgesänge über Europa einstimmen kann. Nebenbei lernt Q Laufen und ich Englisch sprechen. Beides geht mal besser, mal schlechter aber hoffentlich vorwärts.


Und an meinen freien Tagen staune ich.

Über Melbourne, die Stadt, deren Formel-1 Strecke ABSOLUT unspektakulär ist, die Stadt, in der man Schuhe auf die Leine hängt, in Casions Flip Flops trägt und auf Liegestühlen dem Pferderennen huldigt. Darüber, dass Postkarten ohne Briefmarke tatsächlich in Deutschland ankommen und nur DREI Tage brauchen. Und weiterhin über die Schönheit dieses Landes, die so schwer fassbar ist. Am Wochenende in Wilsons Promontory, einem Nationalpark 300 km südöstlich von Melbourne.


Über einen kleinen Umweg bin ich an eine freundliche Gemeinde geraten, die mich jeden Sonntag neu begeistert. So hab ich eine Handvoll verrückter Australier kennen gelernt, die mich einladen, vorstellen, mitschleppen, ausfragen, die "Schnie Schna Schnappi..." singen können und sich mit "99 Luftballons" in die Ekstase treiben lassen :D (Dabei kenne ich den Text noch nicht mal wirklich. Ist aber egal. Solange es sich deutsch anhört, könnte ich denen wohl ALLES vorsingen!)


Mit ihnen war ich nun in erwähntem Nationalpark Zelten…




..habe die Auswirkungen der Buschfeuer im Februar gesehen, die Sonne genossen, bin auf quietschenden Stränden gelaufen und habe 1000 winzige Krabben um mich herum aus dem Sand krabbeln sehen. Ich bin in sengender Hitze gewandert und habe beschlossen, mir einen Aussie-Sonnenhut zu kaufen. Ich habe knallgrün-rote Papageien gesehen und ein hungriges

Wombat, das um das Zelt schnaufte - in der Hoffnung, etwas von unserem Essen zu erbeuten. Das hat es zwar nicht geschafft,

mich aber in der Nacht um den Schlaf gebracht, da ich jedes Mal, wenn sich etwas im Zelt regte, die "Wombat-ich-werde-dich-erlegen-Haltung" einnahm. Man hatte mir nämlich nicht nur eingeredet, dass es böse Koalas gäbe, die sich von den Bäumen auf Menschen stürzten um sie zu töten, sondern auch, dass Wombats nachts in Zelte einbrächen, um mein (nicht vorhandenes) Essen an

sich zu reißen. Ich habe beides geglaubt (und bin im Falle der Koala-Geschichte nicht mal stutzig geworden, als sie mir verrieten, dass das geheime Abwehrmittel gegen den "Drop-Bear-Angriff" sei, sich australischen Brotaufstrich hinter die Ohren zu schmieren… Ich hab immer nur "really" gequietscht und mich wohl total zum Ei gemacht… Naja… ist der Ruf erst ruiniert…) und habe nachts seeeehr schlecht geschlafen.


Dafür konnte ich den Sternenhimmel sehen. Den, der südlichen Hemisphäre. Ohne die Lichter der Stadt. Er schüttete sich über mir aus - unendlich viele Sterne… bis zum Horizont. Ich stand minutenlang da. Sprachlos. Die Augen zum Himmel gerichtet: Wie klein wir doch sind.


Und dann kam er… der große Moment. Steffi, der Ozean und das Surfboard.

Zu verdanken hatte ich all das Nathan, der am Samstag nachkam und tatsächlich ein Surfboard auspackte. Ein echtes Surfboard… Meine Chance! Ich musste ihn gar nicht lange überreden. Er sah meinen hypnotisierten Blick, grinste mich an, drückte mir das Board und seinen "Rushi" in die Hand und schon waren wir auf dem Weg in das a…kalte Wasser. Ich gebe zu, ich habe es nicht geschafft, aufzustehen. NOCH nicht! :D Dazu war das Board zu kurz, die Wellen zu klein und das Wasser zu kalt. Aber ich habe alles gegeben, zwei drei Wellen gekriegt und immerhin meine Knie auf das Brett bekommen. DAS war nur der Anfang… gebt mir 6 Monate und DAAAANN...! :)

Dennoch merke ich, dass die Menschen und die Sprache ungewohnt und neu sind. Es fällt manchmal schwer, auszudrücken, was ich denke. Hin und wieder ringe ich nach Worten, suche nach dem richtigen Begriff und werde nicht immer verstanden. Somit ist es nicht so einfach, am Gespräch teilzuhaben… ich selbst zu sein. Oft sitze ich da und beobachte, höre zu und versuche dennoch an der Gemeinschaft teilzuhaben. Gar nicht so einfach. Das, was mir am Meisten fehlt, ist all das, was ich sehe, mit denen, die mir vertaut sind, zu teilen. Heimat als der Ort an dem man mich kennt, so wie ich bin, ist und bleibt etwas Besonderes. Auch in Wilsons Prom… :D


Zu viele Bilder für den kleinen Blog. Und zu viel Schönheit für meine Fotos. Daher wieder die Entscheidung für ein kleines Video und der Versuch, das Erlebte mit euch zu teilen.

So gut ich kann.


Samstag, 31. Oktober 2009

Ein Hoch auf die Ozonschicht und Melbourne Cup for Germany!

… für mich DIE Losungen der Woche. Denn beiden bin ich in den letzten Tagen mehr oder weniger begegnet… und beide habe ich irgendwie in mein Herz geschlossen.


Im Falle der Ozonschicht gilt dabei wohl eher das Wörtchen "weniger". Denn jetzt, wo der Sommer mich endlich gefunden hat und die Sonne immer häufiger zu sehen ist (…was sage ich! Wir hatten schon 27° mit strahlend blauem Himmel! Und das nicht nur einmal!!!), bekomme ich deutlich zu spüren, dass besagte Ozonschicht hier eben deutlich dünner ist als in Good Old Germany. Und da weniger bekanntlich ja oft mehr ist, bedeutet das für mich vor allem: Mehr Sonnenbrand, mehr Sonnencreme, mehr Lichtschutzfaktor.

Die Erfahrung, dass mein Gesicht nach dem Anglesea Wochenende einen deutlichen Rotstich aufwies und dass schon 15 min in der Sonne ausreichten, meinen Armen einen ähnlichen Farbton zu verleihen, bekehrte mich dazu, von nun an vorzubeugen und Sonnencreme zu benutzen. Jahaaa auch ICH bin zur Einsicht fähig! :) Auf Nachfrage wurde mir auch prompt ein Exemplar des familieneigenen Sonnenschutzsortimentes zur Verfügung gestellt und nun besitze ich einen kleinen 1Liter- Kanister mit LSF 30+, so wie ICH glaube, das niedrigste was es hier gibt. Spricht für sich, finde ich. Für den Fall, dass sich der Rotstich doch nochmals durchsetzen sollte, habe ich dem Vorsorgeprodukt gleich präventiv ein Nachsorgeprodukt an die Seite gestellt und harre nun der heißen Tage… und sie KOMMEN!


Und genau das stiftet in mir reichlich Verwirrung.

Ans links fahren konnte ich mich mittlerweile doch ganz gut gewöhnen und auch "How Are you" als Begrüßung bewegt mich nicht mehr unbedingt dazu, dem Gegenüber mitzuteilen, wie's mir geht aber "November" und die Temperatur "30°C" passen einfach nicht zusammen: Da kann man machen, was man will! Ich ertappe mich immer wieder dabei, bei Einladungen oder Terminen, die irgendwann im November anliegen, zu denken: "Aaaaach… das ist ja erst im November. Das ist ja noch weit hin! Wir haben ja erst Juli." Um dann irgendwann mal festzustellen, dass dem eben nicht so ist und auch hier der November bereits begonnen hat. Ungeachtet der Sommertemperaturen. Verrückt!


Mit den wärmeren Tagen kommen nun auch die lauen Nächte und die lassen sich in der City unheimlich gut füllen. Melbourne ist bei Nacht meiner Meinung nach noch viel schöner als am Tag und feiern können seine Einwohner offensichtlich auch ganz gut. Mag wohl nicht zuletzt daran liegen, dass sich hier so viel internationales Publikum durch all die Pubs, Clubs und Cafés treiben lässt und dabei viel gute Laune versprüht. Nach Deutschen muss man dabei gar nicht lange suchen (…nach Sachsen hingegen schon! Ich habe noch keinen getroffen…. geschweige denn jemanden aus dem Gebirge! Tja… wie sagt mein weiser Vater immer… Niveau macht einsam *g*) und da allen klar ist, dass unsere Zeit hier begrenzt ist, kommt man sehr schnell ins Gespräch und lernt schnell neue Leute kennen. Vielleicht geht man mit manchen nur ein ganz kleines Stück des Weges aber auch wenn es nur ein paar Schritte sind:

Man geht sie nicht allein und sieht ein kleines Stück einer anderen Welt.


In meinem Fall muss ich dann wohl noch ergänzen: "Und verläuft sich nicht rettungslos." Denn jetzt, wo ich ohne Lisa (ihr erinnert euch, die kleine Schwarze an der Windschutzscheibe?) zum Park, Schwimmbad und in die Stadt finde, tendiere ich dazu mich zu überschätzen. Ich steige aus dem Auto und denke, die Welt liegt mir zu Füßen… um dann zwei Straßen weiter festzustellen, dass dem keinesfalls so ist und ich ohne Stadtplan mein Auto wohl nieeeemals wieder sehen werde.


So passiert am Donnerstagabend. Nach der rational kaum nachvollziehbaren Entscheidung, ohne Karte mit dem Auto in die Stadt zu fahren -O-Ton Steffi "Aaaach! Wird wohl nicht so schwer sein, nen Parkplatz zu finden"-musste ich bei der Parklpatzsuche natürlich vom ursprünglichen Weg abweichen, indem ich nach Gefühl mal rechts und mal links abgebogen bin (niiiicht gut!), was wiederum dazu führte, dass ich am Ende keinen blassen Schimmer mehr hatte, wo ich eigentlich war. Aber gut, da ich den Parkplatz sicher hatte und mir besagtes Gefühl signalisierte, dass ich nicht sooo weit vom Zentrum entfernt sein könne, bin ich einfach mal in eine Richtung meiner Wahl losgelaufen… und habe den Erstbesten, der meinen Weg kreuzte, um Hilfe angefleht :)

Der musste sogar in die selbe Richtung, wir kamen ins Gespräch und nachdem er sofort rausgefunden hatte, dass ich aus Deutschland komme, erzählte er mir von einem deutschen Freund, den er in Peking kennen gelernt habe. Als er beiläufig erwähnte "He comes from a little town called Schneeberg" war's um mich geschehen. Ich fürchte, mein Begleiter konnte die Euphorie, in die ich mich sofort hineinsteigerte, nicht ganz nachvollziehen, aber egal. Liegt wohl daran, dass die Sachsen hier so rar sind :)

Dank seiner Hilfe fand ich dann auch an besagtem Abend mein Ziel und am Ende auch mein Auto wieder. Ganz ohne Karte. Und bekam die Gelegenheit, diese tollen Bilder zu machen. Melbourne bei Nacht: Einfach schön!


Und am Wochende erlebte ich dann Melbourne im Cup-Fieber: Einfach verrückt!

Ohne auch im Geringsten darauf vorbereitet zu sein…


Ich war mit zwei Mädels am Samstag in der Stadt unterwegs - Bummeln, Parks, Essen, Kaffeetrinken (und jaaaaa… ich denke ich habe eine erste sündhaft-süße Begegnung mit der hochgepriesenen Kaffeekultur gemacht) und der Melbourne Cup war allgegenwärtig:


So, wie ich rausgefunden habe, DAS Pferderennen schlechthin, das am Dienstag seinen Abschluss findet, wofür die ganze Stadt frei bekommt!

Offensichtlich sind alle im Fieber und todschick gekleidet.Die Frauen tragen Kleider und dazu Hüte oder anderen Kopfschmuck aus Federn oder Blumen. Ich kam aus dem Staunen kaum heraus und habe es gar geschafft, ein zwei Fotos von all den schönen Menschen zu machen.Keine Chance dem gleich zu ziehen… nicht mal mit dem Schönsten, was ich mit habe!

Ja! Ich gebe es zu: Ich konnte nicht widerstehen: Ich habe mir einen Hut gekauft, in der Hoffnung noch jemanden zu finden, der mit mir am Dienstag zu diesem Pferderennen geht!


Dann werde ich nämlich genau das tun, was all die Mädels hier am Wochenende zelebrierten: Herumstolzieren, die Nase in die Sonne halten und Champagner trinken… *lach* Und dann am Abend die hohen Schuhe ausziehen und in die Nacht tanzen:

Am Besten schon IM Bahnhof. :)


Mit all den verrückten Australiern und allen, die es schaffen, bis Dienstag hier zu sein!





Samstag, 24. Oktober 2009

Victoria - the place to be.


… das liest man hier überall auf den Nummernschildern der Autos.

Um Missverständnissen vorzubeugen, schicke ich voraus, dass Victoria der Bundesstaat ist, in dem ich hier gerade lebe… jahaaa!

Und bei meinen bisher sämtlich gescheiterten Versuchen, die Systematik der Beschilderung hier zu erfassen, ist mir eben das hängen geblieben: Victoria - the place to be.


Nun, mir war es vergönnt, am Wochenende Anglesea zu besuchen, was nordwestlich von Melbourne gelegen ist, da

James hier ein Mountainbike-Rennen hatte. Da musste die Familie mit und - jaaaaa so ein Opfer bringt man schon mal - das Au-Pair auch. :)

Hier war ich dann ein wenig unterwegs, habe den Strand genossen, die Surfer beobachtet und nachgedacht. (Abgesehen von all den Nickerchen, die die verskypten Nächte kompensieren mussten… Diese Zeitverschiebung IST aber auch heftig. Aber was soll's… NOCH bin ich ja jung :D)


Irgendwie stand mir so deutlich vor Augen, dass es wohl von meinem Herzen abhängt, was der "place to be" ist.

Ich bin so dankbar dafür, all das hier sehen zu dürfen. Es scheint mir, als ob Gott mir einen Traum erfüllt, den ich noch nicht mal richtig angefangen habe zu träumen. Und dennoch wird mir gerade hier so deutlich, dass Freunde und Familie, Beziehungen, die in die Tiefe gehen und mir bleiben, wenn ich versage, jeden Ort zum "place to be" machen können.

DIe Fähigkeit, genau da glücklich zu sein, wo man gerade ist, mit all dem, was man hat oder nicht hat, ist eine wertvolle Gabe, die mir so oft fehlt. Selbst hier merke ich, dass ich an mich hin und wieder zu hohe Ansprüche stelle, denen ich schließlich nicht gerecht werde. Oft merke ich das sogar noch in der Situation… und immer wieder treffe ich die Entscheidung neu: Ich will nicht aufhören, das Glücklichsein zu üben. Gerade hier: Am place to be :). Wie oft hab ich mir das schon vorgenommen…aber man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben. Auch ein schielendes Huhn findet vielleicht mal das Korn :)


Ich muss ehrlich gestehen, dass es mir ansonsten heute nur schwer gelingt, all die Bilder in Worte umzuwandeln. Daher hab ich mich entschieden, euch ein Video hier zu hinterlassen.

Wenn ihr es denn öffnen könnt (wie man sieht ist mein Vertrauen in die Technik MEHR als eingetrübt…), soll es euch mal zeigen, was ich die letzten beiden Tage gesehen habe. Ich hoffe, es spricht für sich.


Immer wieder neu stelle ich mir die Frage, wer Gott denn nun eigentlich ist.

Die letzten Jahre haben da einiges durcheinander geworfen, so manche Antwort zerbrochen und die eine oder andere Einsicht in Frage gestellt. Angesichts der Bilder der letzten Tage drängt sich mir die Vermutung auf, dass er liebevoll sein könnte. Ich meine, dass man das, was wir zum Leben brauchen durchaus pragmatischer hätte verpacken können. Aber nein… IHM ist das nicht genug. Er entschied sich für die Schönheit. Und geht dabei in die Vollen.

WAS für ein Glück!


Ich bin dankbar für jeden Moment hier aber auch für jeden, der an mich denkt.

(Wenn auch die Email-Beantwortung ein weeeeenig hängt... Ich weeeeiiißßß... aber ich geb mir echt MÜHE! :D)