Montag, 21. Dezember 2009

Herzlich willkommen.

Da ist es nun… das neue Jahr.


Fast noch unberührt. Der Weg liegt wieder neu vor mir, mit all seinen Bergen und Tälern und den Biegungen, die mir den Blick auf das versperren, was kommt. Hm. Was werde ich wohl alles sehen? Mein Bedarf an Spinnen wäre jedenfalls für die nächsten Jahre gedeckt *g*

Ich weiß noch nichtmal, ob ich's denn wissen wollte. Mich auf den nächsten Schritt zu konzentrieren, mich nicht von der Angst vor dem übernächsten lähmen zu lassen. Mich an den Dingen am Wegesrand zu erfreuen anstatt vor Sorge, den Gipfel nicht zu erreichen, den Blick zu senken. An Wegkreuzungen auch mal meinem Herzen zu folgen… Das alles ist wohl ein Ertrag des Jahres 2009. Nicht dass ich all das nun beherrschen würde. *lach* Aber ich habe es ausprobiert. Hab immer wieder neu Anlauf genommen, bin gestolpert, gefallen, aufgestanden. Hab mich vorgetastet, manchmal geschimpft und geseufzt und ja… bin hin und wieder auch stehen geblieben. Wie gut, dass sie da waren, die Wegbegleiter… sie haben mir zugehört (jaaaa… manchmal sogar bis zum Sonnenaufgang!), mich ermutigt, nach Auswegen gesucht und geholfen, haben manchmal geschimpft, gebetet, geteilt und bewirtet… *hach*


und ihren Kopf hingehalten, wenn Steffi alle Register der "wie-blöd-kann-man-eigentlich-sein" Orgel gezogen hat.

Bedeutet im Klartext: Kofferraumklappe auf, Handtasche rein, Einkaufsbeutel hinterher, Kofferraumklappe zu. Klingt jetzt nicht so spektakulär? Nun ja… das wäre es auch nicht gewesen, wenn besagte Handtasche nicht (neben 200.000 mehr oder weniger verzichtbaren Kleinteilen) Autoschlüssel, Hausschlüssel, Portemonnaie, Pass UND -tataaaaa- Hand mitsamt allen wichtigen Nummern enthalten hätte. Noch bevor das klangvolle "rumms" verhallt war, wusste ich, dass ich ein Problem hatte… 20 km weit weg von zu Hause, lediglich bewaffnet mit einem Kleinkind, umgeben von einem Reifenhandel und einem Großmarkt für Obst und Gemüse. Sah so aus, als bräuchte ich Hilfe… DRINGEND! Im Nachhinein betrachtet, finde ich es fas erstaunlich, wie ruhig ich geblieben bin… also für MEINE Verhältnisse *grins* Das Wissen um die Verantwortung für den mir anvertrauten Q, der emsig kleine Steinchen von A nach B schleppte und dabei sehr seriös klingende Laute von sich gab, ließ mich sehr zielstrebig agieren, wozu gehörte, alle Anflüge von Panik gegen zielführende Aktivität einzutauschen. Irgendwie MUSSTEN wir in das Auto kommen oder zumindest jemanden erreichen… und irgendwie WÜRDEN wir es schaffen.

Nun ja… und da ich auf die "Ruf doch einfach die Auskunft an und frag nach der Firmennummer des Vaters" erst im Nachhinein kam (naaajaaaaaaaaaa… ich hab doch gesagt: Für MEINE Verhältnisse ruhig *g*!) wurden wir dadurch zum Fall für ganz oben. Jaaaa… für GANZ oben! Denn nachdem ich sofort im Großmarkt um Hilfe gebettelt hatte, sich deren Hilfsangebot jedoch auf die Möglichkeit eines Anrufes beschränkte (was ohne Nummern ja irgendwie nicht allzu zielführend war…) kam er auch schon: Mein persönlicher Engel. Ohne Flügel (ich hab den Eindruck, die sind bei Erdeinsätzen nicht allzu angesagt), dafür aber mit mächtig breitem Kreuz und beeindruckend schmutzigen Arbeitsschuhen. Der schaffte es zwar nicht, mein Auto aufzubrechen (ja… er HAT es versucht… geschlagene 30 min lang. Aber es hat sich erfolgreich gewehrt und alle seine Knöpfe fest nach unten gedrückt… das BIEST!), machte mir aber Mut, suchte nach Lösungen und schließlich mit mir eine halbe Ewigkeit lang die Firma von Q's Vater. Die lag nämlich nicht allzu weit von unserem Standort entfernt… nur war mir dummerweise die Adresse entfallen. Und was in Australien "Hier gleich in der Nähe" heißen kann, hatte ich ja bereits erwähnt. Als wir sie schließlich tatsächlich fanden, fielen mir Gebirge vom Herzen. Und er verschwand… noch bevor ich ihn nach seinem Namen fragen konnte. So konnten wir uns nicht einmal erkenntlich zeigen… So viel Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Zeit an eine Fremde zu verschenken und das mitten im Alltag finde ich echt vorbildlich!

Was bleibt, sind ein Berg Dankbarkeit, eine ganze Portion Ärger über mich selbst und eine akkute "Schlüssel-im-Auto-einschließ-Phobie", die hoffentlich verhindert, dass mir sowas nochmals passiert. Zumindest für die nächsten 20 Jahre :)


Daneben hatte ich das Privileg, in den letzten Wochen in australische Weihnachtsbräuche eingeführt zu werden.

Zu denen gehörte auch die Teilnahme an "Carrols by Candlelight", einem kollektivem Weihnachtsliedersingen im Park, zu dem sich tatsächlich mindestens 1000 weitgehend rotbemützte Australier mit Picknikausrüstung und (tataaaaa: Waldbrandgefahr) blinkenden Plastik-Kerzen im Grünen einfanden, um gemeinsam mit Orchester und diversen Profis "Jingle Bells" und andere Absurditäten zu schmettern: Einfach anders, sehr sympathisch und wie ich finde typisch "aussie".


Genau wie die so genannten "Christmaslights", die mir schlussendlich nun doch meinen Kulturschock bescherten. Jaaaa...

auch hier schmückt man die Fenster… und nicht nur die. Zwar nicht überall, aber wenn, dann richtig. Dafür kidnappt man dann auch schon mal Homer Simpson, steckt ihn in Santa-Claus-Uniform und zwingt ihn dazu, Weihnachtslieder im Vorgarten zu performen. Wenn man sich dann noch dazu hinreißen lässt, eines der in kleinen Buden am Straßenrand angebotenen Laserschwerter zu kaufen, die das ganze Ambiente mit farbenfrohem Lichterspiel und klirrender Wiedergabe des (unbestreitbar ultimativ weihnachtlichem) Klassikers "Axel F" abrunden, ist das Glück perfekt. Jaaaaa… da leuchten nicht nur die Kinderaugen sondern mit Sicherheit auch die der Energieversorger… Weihnachten: Das Fest der Nächstenliebe.


Abreagiert habe ich mich dann auf der Great Ocean Road - einem der Wahrzeichen Australiens, das als Kriegsdenkmal errichtet wurde und nun die Möglichkeit bietet ca. 200 km mehr oder weniger direkt an der Südküste Australiens entlang zu cruisen. Mein erster kleiner Roadtrip über zwei Tage, mit Koalas, Regenwald, berauschenden Aussichten, tollem Wetter (zumindest an Tag 1…), 100000 Fotos und dem besten Eis der Welt! Die Werbung für den kleinen Betrieb, in dem das Eis offenbar mit viel Liebe selbst hergestellt wird, hatte ich auf einem Flyer entdeckt, den ich irgendwann mal irgendwo eingesammelt hatte (genau wie 563 andere, die nun die Belastbarkeit meiner Nachttischschublade HART auf die Probe stellen… aber man KÖNNTE sie ja doch vielleicht IIIIIRGENDWANN mal noch brauchen…). Und oh WUNDER: Ich fand ihn im richtigen Moment wieder und wir labten uns an überdimensional großen Wunderkugeln. Genauso nachhaltig, wenn auch in anderer Hinsicht, war der Anblick der 12 Apostels. Auch wenn schon lang nicht mehr 12 spitze Felsen in der Nähe von Apollo Bay aus dem Ozean ragen, gehören sie wohl noch immer zu einem der Höhepunkte der ganzen Strecke. Wir hatten das Glück, genau zum Sonnenuntergang dort anzukommen, der die ohnehin schon roten Felsen und den roséfarbenen Sand zum Glühen brachte und mir postkartenreife Fotos bescherte. Unglaublich. Wenn ich mir die Fotos im Nachhinein noch einmal anschaue, fällt es mir fast schwer zu glauben, dass ich wirklich dort war.




Die verbleibende Zeit war gefüllt von allerlei Alltagen, Fortschritten von Q (jaaaaaaaa: ICH habe ihm das Bye-Bye-Winken beigebracht, was er jetzt auf Knopfdruck kann. Geradezu ein Paradebeispiel für alltagsrelevantes Lernen!!! *g*), Weihnachtskarten, Sommertemperaturen und Strandbesuchen, ein wenig Heimweh, unzähligen Skype-Telefonaten und dem Suchen und Finden von Weihnachten. Ja… Finden. Auch wenn mir Familie, Kälte, Lichterglanz und Weihnachtsduft wirklich gefehlt haben, war es doch ein sehr besonderes Weihnachtsfest für mich. Schwer zu beschreiben… es war, als ob ER auf mich gewartet hätte. Wie, als hätte er mir zugezwinkert, mit einem Lächeln im Gesicht: "Los komm! Grund zum Feiern…" Und das haben wir gemacht. Ich mit Sommerkleid und Sandalen… die ich erste mal in meinem Leben zu Weihnachten getragen habe :) Zum Mittag gab es Sushi (oh jaaaa, ich weiß… Sushi zu Weihnachten… das hat nahezu anarchistische Züge) und am Abend sind wir nach dem Gottesdienst tatsächlich noch gemeinsam weggegangen. Haben lecker gegessen und lecker Cocktails getrunken. Weltpremiere… und sooo gut.


Am 25. war ich schließlich von einer australischen Freundin zur Familienfeier eingeladen. Hier gab es bunt gemischtes Essen, herzliche Polen, Tschechen und Australier UND zum Abschluss sogar Rosen aus dem Garten. Im Dezember :)

Mit Sicherheit: In diesem Jahr werde ich die Erzgebirgsweihnacht im Kreise meiner Familie doppelt genießen. Aber mein besonderes Weihnachtsfest im Jahr 2009 werde ich wohl nie vergessen.


Nun, da ich hier bei nahezu tropischen Temperaturen auf meinem Bett liege und diese Zeilen schreibe, liegt das alles schon fast zwei Wochen zurück.

An Silvester hat mich die Hitze so sehr geschafft, dass ich mich am Abend eigentlich nur noch nach einem Bett aus Eiswürfeln gesehnt habe. Die 35 Grad Außentemperatur hatten nach zwei Tagen jeden Winkel des Hauses erobert (hatte ich bereits erwähnt, dass wir zu den ausgewählten Haushalten in Australien gehören, die KEINE Klimaanlage und KEINEN Pool besitzen!?) was bedeutete, dass es außer dem Supermarkt keine wirkliche Zuflucht mehr gab.

Da ich mich aber dann doch gegen die Müdigkeit und für die Gemeinschaft entschied, habe ich den Silvesterabend mit etlichen Leuten aus der Gemeinde verbracht. Nun… Singstar und Guitar-Hero sei Dank gab es viel zu lachen. Und dennoch habe ich mich ein wenig fremd gefühlt. Drei Monate sind eben doch nicht die Welt und Vertrautheit braucht Zeit. Und da wir zu weit von der City entfernt waren, die zudem zu späterer Stunde noch im Platzregen versank, habe ich nicht Melbournes Feuerwerk gesehen (dafür aber das von Sydney - im TV :D).

All das war aber für mich nur halb so schlimm. Zum Jahreswechsel, auf der Schwelle zwischen altem und neuem Jahrzehnt, in Australien zu sein, auf das Jahr zurückzublicken und zu sehen, wie sich manches gewandelt hat, hat völlig ausgereicht, um mich lächeln zu lassen. Leise und nur für mich. Aber voller Hoffnung und mit ein wenig Abenteuerlust. 2010… da bin ich, um dich zu erobern!



Montag, 7. Dezember 2009

Weihnachten. Weihnachten?

Sonnenschein. Das Sommerkleid ausführen. EIn Spaziergang durch den Park. Cappuccino trinken im Café. Die Decke auf der Wiese ausbreiten. Blauer Himmel über mir - 2. Advent.


Schon bevor ich in Deutschland meine Koffer gepackt habe, war ich ein wenig gespannt, wie die Adventszeit hier aussehen würde,...


...wie Weihnachten wohl sein würde - weit weg von zu Hause, von Familien und Freunden, von Kälte, Dunkelheit, Weihnachtsmärkten und Lichterglanz. Ich hatte erwartet, dass es anders sein würde. Hier angekommen muss ich allerdings feststellen, dass Weihnachten für mich hier nahezu unerreichbar ist.

Das Wetter (abgesehen von "Soviel Regen hatten wir seit Jaaaahren nicht" Wochen) und die Temperaturen lassen mich völlig vergessen, dass sich das Jahr dem Ende neigt. Die länger werdenden Tage laden eher zum Grillen ein als zum gemütlichen Beisammensein im Kerzenschein, Glühwein würde mich hier wohl sofort ins Delirium befördern, Pfefferkuchen schmecken bei der Wärme irgendwie nicht und mit dem Räuchermann kann man hier eher die Mücken vertreiben als dass sich damit eine einigermaßen authentische Weihnachtsstimmung erzeugen lässt. Es fühlt sich eher wie ein Sakrileg an, wenn sich der Weihrauchduft bei 27 Grad im Zimmer ausbreitet. Räucherkerzen mitten im SOMMER!? Sowas MACHT man doch nicht!


Da hilft auch kein Weihnachtsbaum. Überraschenderweise haben wir seit dieser Woche sogar einen! Dummerweise sieht der nicht aus wie ein Weihnachtsbaum und trägt eine blinkende bunte Lichterkette im Eiswürfel-Design, die ihren Blinkmodus sogar SELBSTSTÄNDIG variieren kann und das auch mit einer penetranten Regelmäßigkeit tut (…was den Erzgebirger mit sofortiger Wirkung nachhaltig erblinden lässt).


Nein. Weihnachtsbäume wirken hier fast befremdlich und das dezente Jingle Bells im Supermarkt macht hier als Weihnachtslied überhaupt keinen Sinn… Sollen sie HEIR doch mal "Last Christmas" spielen! Das dürfte doch schneefrei sein… Das habe ich, unglaublich aber wahr, noch nicht EINMAL gehört! Ich frage mich auch, ob den Kindern hier auffällt, dass Santa Claus in DEM Outfit schon nach 10 Minuten den Hitzetod erleiden würde…


Wie dem auch sei. In mir kommt nicht ein Hauch eines vorweihnachtlichen Gefühls auf.

Bin ich denn wirklich so abhängig von all diesen Äußerlichkeiten? Von der Kälte, von der Dunkelheit am Abend, von dem Duft eines Weihnachtsmarktes, eines Räucherkerzchens, eines gerade entzündeten Streichholzes? Von der Atmosphäre beheizter Räume, dem Lichterspiel, das eine Pyramide an die Zimmerdecke zaubert, dem Anblick beleuchteter Dörfer, die sich wie kleine Lichterpfützen in den Tälern sammeln und glitzernden Weihnachtsbäumen in den Vorgärten? Macht DAS denn wirklich Weihnachten für mich aus?

Wohl mehr als ich dachte. Schon allein das Niederschreiben dieser Wörter löst in mir bereits etwas aus. Scheinbar haben all diese Rituale und Symbole, all diese Äußerlichkeiten einen unheimlichen Einfluss auf meine emotionale Befindlichkeit. So als würden sie mir signalisieren: Es geht los! Mach dich bereit!

Hier, wo all das fehlt, scheint Weihnachten nahezu unmöglich zu sein.


Eine Erkenntnis, die mich überrascht und nachdenklich macht. Denn EIGENTLICH weiß ich doch worum es geht.

Predige es mir und den anderen jedes Jahr. Es geht um IHN. Um Jesus. Der sich für mich entschied. Ich war es ihm wert. Meine Freiheit. Sie war IHM alles wert. All den Schmerz, all den Verlust, all die Kälte und all die Dunkelheit durch die er ging. DAS ist Weihnachten. DAS ist der Kern, der doch eigentlich unabhängig von der Hülle ist, in die wir ihn verpacken. Eigentlich weiß ich das. Und doch fällt es so schwer, Weihnachten hier zu greifen. Sogar am Adventssonntag. Hm… Stoff zum Nachdenken…


Ansonsten habe ich in den letzten anderthalb Wochen eine "Sightseeing-Pause" eingelegt.

Um all die Bilder setzen zu lassen, ein wenig Zeit für andere notwendige Erledigungen frei zu räumen und zu sondieren, was ich vielleicht ein zweites Mal sehen möchte und welche neuen Ziele noch sehenswert sein könnten.

Daneben musste ich verkraften, dass meine Schwester nun doch nicht mit mir Australien verunsichern wird, was bedeutete, Pläne aufzugeben und umzuschmeißen - nachdem die Tränen getrocknet und die Taschentücher beseitigt waren.


Das verschaffte mir allerdings einige Gelegenheiten, mit der entzückenden deutschen Lea Melbournes ebenso entzückenden Stadtteil St. Kilda zu erkunden und Zeit mit "meinen" Australiern zu verbringen.

Ihre Freundlichkeit, ihr Interesse und ihr Humor machen es mir leicht, über meinen Schatten zu springen, mich immer wieder neuen Leuten zu öffnen und mein Englisch durch unzählige Fehler zu verbessern. Ich habe in den letzten Wochen nicht nur "Dornrosken waaar war aaain schoooune Kind" als die letzten Überreste eines irgendwann abgesessenem Deutschunterricht identifiziert und habe gefühlte 2000 Mal betont, dass ICH Rammstein im Gegensatz zu scheinbar aaaaallen Australiern jetzt nicht sooooo toll finde, NACHDEM ich die obligatorische Frage nach dem Fahren auf deutschen Autobahnen beantwortet hatte.

Ihnen habe ich zu verdanken, dass meine Kamera wieder geht… ohne, dass ich auch nur einen Cent dafür bezahlt habe. Tatsächlich… ins Objektiv war Sand geraten. Doch meine Kamera wurde an fähige Menschen weitergeleitet, die sowohl Knoff-How als auch Werkzeug besaßen um das Objektiv zu zerlegen, den Grund allen Übels zu beseitigen und die Kamera danach wieder funktionstüchtig zu bekommen. Jetzt habe ich sie wieder, bin wieder ein ganzer Mensch und sooo glücklich.

Wenn ich doch zuweilen auch nicht ALLES im Bild festhalten will...:






















An einem Samstag Abend waren wir in Melbourne unterwegs. Auf dem Weg in die Stadt gab es einiges zu sehen: Reiche Viertel, deren Straßen von sündhaft teuren Brautmodengeschäften und Boutiquen gesäumt waren, Melbournes Wolkenkratzer und die geschäftige, aufgebretzelte und weitgehend gut gelaunte Menge auf dem Weg in all die Clubs, Pubs, Cafés und Theater.

Soweit so gut. Als wir dann allerdings an einer Ampel direkt an Melbourne Albertpark zum stehen kamen, kam ich nicht umhin, die riesigen Fensterfronten eines großen Hotels direkt an der Straße zu betrachten und entdeckte da hinter der Fensterscheibe im fünften oder sechsten Stock eine vermeintliche griechische Statue. Die Arme in die Hüften gestemmt, den Blick in die Weite gerichtet, sich in voller Größe der Welt hingebend… unbekleidet. Und mit unbekleidet meine ich… wirklich unbekleidet. Total unbekleidet. Der Umstand, dass sich vermeintliche Statue dann plötzlich bewegte (aber nicht um sich anzuziehen… NEEEEEEIIIIN… nur um den Kopf in "was kostet die Welt Manier" von rechts nach links zu schwenken) löste in mir eine dezente Hysterie aus.

Ich glaube, nun haben meine australischen Freunde auch DIESE Seite von mir kennen gelernt… DIE Steffi, die mit weit aufgerissenen Augen quietschend auf dem Rücksitz herumhoppelt und immer wieder "There was a naked maaaaaan" skandiert, hin und wieder aufgelockert durch ein dezentes "AAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHH!"


Ähhhh… ja. Nach meinem naiven Dop-Bear Reinfall und der Tatsache, dass ich irgendwie JEDES Mal bevor wir aufbrechen nervös meine Handtasche nach Handy und Schlüssel durchsuche (Was heißt durchSUCHEN! Ich tauche gewissermaßen in meiner Tasche… versuche auf den Grund zu kommen und finde dabei alles mögliche, nur nicht das was ich will. Räume alles aus um dann im allerletzten WINZIGEN Fach das zu finden was ich suche. Das alles untermalt von nervösen Lauten und panischen "Where's my key!? Did I lost my mobile!?" Ausbrüchen), ganz zu schweigen von dem Umstand dass ich auf Parkplätzen immer mein Auto suche und für jede auch schon tausendmal gefahrene Strecke immer wieder eine Wegbeschreibung will, kennen sie nun auch DIESE äußerst vorteilhafte Seite meiner selbst.

Solange sie mich immer noch mitnehmen, bin ich glücklich. Und WENN es aus Mitleid ist…


Was ganz gut in dieses Konzept passt, ist eine kleine Episode, die ich mit Q in der letzten Woche erlebt habe.


Ich war zwei Tage ein wenig kränklich und lag viel auf dem Sofa. Q saß neben mir auf dem Boden, wirkte eigentlich ganz zufrieden und untersuchte mit ernstem Gesichtsausdruck und sehr seriös klingenden Lauten dies und das. Auch mein Handy, das irgendwie im Laufe der Untersuchungen herunterfiel und seinen Akku verlor. Ach… nich so schlimm! Ohne Akku, kann ja nix passiiieeeeeren!

Und plötzlich verschwand er. MIT meinem Handy… ein Detail, dass mir irgendwie entgangen war, bis ich ein leises "ohhhh" aus Richtung des Badezimmers hörte.

Ich folgte Geräusch und Intuition und so standen wir nun beide da und betrachteten ein Wunderwerk der Technik… unter Wasser… auf dem Boden der heimatlichen Toilette. Ja, tatsächlich. Q war mit meinem Handy direkt ins Badezimmer seiner Eltern marschiert und hatte selbiges zielstrebig in der Toilette versenkt. Was auch sonst? Jaaaa Rick… ich sehe dich DIREKT vor mir! Wie du dir die HÄNDE reibst, wenn du das liest und Genugtuung empfindest für das, was ICH dir damals antat. Wie gut, dass ICH dich inclusive deines einzigartig antiken Handys nur in den See geworfen habe, oder!? Da kannst du mal sehen, was alles so möglich ist! :D Aber weil ich damals so herzzerreißend Buße getan habe, wurde auch mir Gnade gewährt. Denn todesmutig habe ich mein Telefon den Fluten entrissen und es liebevoll getrocknet - Fürsorge, die es mir nun mit wieder hergestellter Funktionstüchtigkeit dankt. Die einfachen Dinge sind doch hin und wieder die Besten! So lange mein Mobiltelefon DAS mitmacht, braucht es keine Kamera! :D


Wenn DAS kein Weihnachten ist!?

Die wunderbare Wiedergeburt von Kamera und Handy… ganz ohne Finanzspritze, ganz einfach geschenkt.


Ich hoffe, ich kann ihn noch finden. Den Kern der Weihnacht. Für mich persönlich. Und ihn in mein Herz pflanzen. So dass er dort Wurzeln schlagen kann und Blätter, Blüten, Früchte treibt. Früchte, die ich verschenken kann und die mit SICHERHEIT keine blinkende Lichterkette tragen müssen!