Dienstag, 16. März 2010

Herbstgedanken oder: Bleibt alles anders.


Unglaublich... es wird Herbst.


Und je mehr sich diese Tatsache in meine Realität drängt, desto mehr wird mir bewusst, dass sich meine Zeit hier langsam dem Ende zu neigt. Als ich hier ankam, hatte der Sommer noch nicht einmal begonnen... an den Bäumen ahnte man noch die grünen Frühlingstriebe, die Wiesen waren fast so grün wie in Deutschland und übersät mit Blumen. Nun zeigen sich hier und da tatsächlich gelbe Spitzen an manchen Bäumen, die Tage und Nächte werden wieder merklich kühler (so dass ich mich hin und wieder am Abend mit einer Tasse heißem Tee zwischen den Händen vor meinen Computer packe! ... nun guuuut... sooooo kalt ist es eigentlich auch nicht... aber nach zwei Sommern in Folge hat das schon fast etwas aufregend exotisches an sich :D) und wenn ich am Morgen aufstehe, ist es noch dunkel draußen.


Vor einer Woche erwischte uns sogar ein Hagelsturm, der in manchen Stadtteilen ganze Häuser flutete, Windschutzscheiben und Fenster zerschlug und Vorgärten in Salat verwandelte. Auch hier im Haus lag das Verandadach in Scherben, während sich die Pflanzen im Schweizer-Käse-Design zeigten. Im Vergleich zu anderen Familien, deren Häuser nun für Wochen unbewohnbar sind, kamen wir jedoch recht glimpflich weg.


Noch sieben Wochen... dann ist meine Zeit hier in Melbourne beendet.

Dann werde ich das Stückchen Vertrautheit (...und die wohltuenden Ansätze einer gewissen Ortskenntnis... *lach*), das ich mir hier erarbeitet habe, aufgeben. Werde die Familie verlassen, allen, die mich hier begleitet haben, Lebewohl sagen und wieder ins Unbekannte aufbrechen. In mein groooßes Abenteuer... So wie sich herauskristallisiert, wird dieses wohl in Westaustralien stattfinden (...möchte man professionell wirken benutzt man in Konversationen am Besten im höchst selbstverständichem Tonfall das Kürzel „WA“, sehr sachsenfreundlich als „Dabbeljuäih“ auszusprechen) und hält wohl das ganz andere Australien bereit... und je mehr ich mich mit den konkreten Details beschäftige, Informationen einhole, Flüge recherchiere und Zeitpläne durchdenke, desto aufgeregter werde ich. Ich bin so dankbar, dass ich die letzte Zeit hier nicht allein verbringen muss. Freue mich schon sehr auf meinen Mitstreiter aus Deutschland, darauf, Aussichten, Einsichten und Einfälle zu teilen, freu mich auf all die Menschen, denen wir begegnen werden, all das Unerwartete und... nun ja... ich MUSS es sagen... auf die Korallenriffe, die tropischen Fische, die unendlichen Strände, die Sonnenuntergänge, die atemberaubend sein sollen und auf die Delphine. (Ich tue ja mein Bestes, meine Erwartungen nicht allzu hoch anzusetzen... aber das fällt nach einem Abendessen mit Quentons Tante nicht mehr so leicht... Sie hat wirklich fast ganz Australien bereist und mich von der Idee überzeugt, die Ostküste zugunsten des viel weniger besiedelten Westens aufzugeben...) Jaaaaa... all das macht doch den Abschied ein wenig leichter.


Und doch habe ich schon jetzt eine Ahnung, wie schwer es sein wird, all das, was mein Herz hier erobert hat, zurückzulassen.


Quentons Lächeln, wenn ich um die Ecke biege, das Getrappel der kleinen Füße, das vor meiner Zimmertüre verstummt um in ein unmissverständliches „Lass mich jetzt reeeheeeeeiiiiiin“ Geräusch zu münden, seine kleinen Hände, die energisch an meinen zerren, weil ich uuunbedingt etwas sehen muss... seine Zuneigung, die er mir einfach so schenkt.

Ich habe auch begonnen, ganz bewusst mit einigen Crossway-Leuten, sprich den Freunden, die ich durch die Gemeinde kennen gelernt habe, Zeit zu verbringen. Gemeinsam Kaffee trinken, Kino, Spaziergänge oder Eierkuchen essen (JAAAAAA es gibt hier - Himmel auf Erden - so eine Art Eierkuchen-Fastfood-Kette, den „Pancake Parlour“. Wer mich kennt, ahnt, was das für mich bedeutet *grins*... Schon allein das lesen der Karte hat meine Mundwinkel an die Ohren genagelt... herzhafte, süße, dicke, dünne, gestapelte und gefaltete Exemplare mit allem was dazu gehört *seufz*) und das bestmögliche aus der noch verbleibenden Zeit herausholen, die mit jedem Tag, der vergeht, kostbarer wird. Verrückt... die meisten von ihnen werde ich in diesem Leben vielleicht nie wieder sehen.

Das überhöht den Abschied irgendwie und bringt mich hin und wieder zum Nachdenken über die Endlichkeit dessen, was mich umgibt. So vieles von dem kann ich nicht festhalten, nicht konservieren. Manchmal werden Personen, Umstände, Bilder und Erlebnisse mir einfach an die Seite gestellt, begleiten mich ein Stück des Weges, fordern mich heraus, bereichern mein Leben, überraschen, hinterfragen, verändern mich und lassen mich irgendwann weiterziehen. Noch immer fällt mir das loslassen schwer. Und doch merke ich, dass sich während der Zeit hier in meinem Herzen etwas verändert hat. Ich merke, wie es mir mehr und mehr gelingt, dankbar für all das Gute zu sein, was erlebe. MEIN Leben und Erleben unabhängig ein wenig unabhängiger von dem der anderen zu machen und es als wertvoll anzuerkennen. Auch, wenn meine Pläne und Erwartungen nicht immer erfüllt werden. (*lächel* Ich höre mir gerade selbst zu und frage mich, ob das für andere in irgendeiner Form nachvollziehbar ist... ) Irgendwie bringt mich das in eine Balance. Ich schaffe es hin und wieder, meinen Blick zu erheben und meine Arme auszubreiten. Mein Herz zu öffnen für andere und das, was mich umgibt. Mich berühren und verändern zu lassen, meine Fehler zuzugeben und meine Schwächen und Grenzen anzuerkennen. Ich glaube keinesfalls, dass dieser Prozess erst hier begonnen hat und hoffe sehr, dass er noch nicht zum Abschluss gekommen ist. Vielleicht wirkten die Umstände hier als Katalysator... all die Freiheit und die Erfahrung, dass Gott liebevoll auf meiner Seite steht, mich ernst nimmt in meinen Ängsten und Bedürfnissen, dass ich Schritt für Schritt meinen Weg finden darf, auch dort, wo es augenscheinlich gar keinen gibt und dass dabei selbst im Scheitern ein Wert liegen kann.

Während ich das alles aufschreibe, wird mir klar, dass das Werte und Erfahrungen sind, die ich für mich gewonnen habe. Ich trage sie in mir. Kann sie mitnehmen... egal, wohin ich gehe. Auch wenn die Gabelung näher rückt, die meinen Weg von dem der Menschen hier trennt, auch wenn ich irgendwann all die überwältigenden Strände, die Papageien und Känguruhs (UND *sehrtieeeeefseufz* den Pancake Parlour) hinter mir lassen werde, wird mir all das, was sich in mein Herz eingeschrieben hat, bleiben.


Nun ja... und wie es im Leben eben so ist, beginnt meist genau da, wo etwas endet, etwas ganz Neues. In unserem Falle sogar ein neues Leben, denn die Familie hat seit dem 21. Februar ein neues Sonntagskind und Q nun einen kleinen Bruder. Arthur bereichert seitdem die Familie, lässt Q unheimlich groß aussehen und stellte nicht zuletzt meine hart erarbeitete Routine auf den Kopf - ein Umstand, der mich zeitweise sehr herausforderte und mich wirklich an die Grenzen des mir Möglichen brachte. Von einem Tag auf den anderen änderten sich die Anforderungen und Zeitpläne, die Aufgaben und Erwartungen, die an mich herangetragen wurden. Ich balancierte zwischen allen Beteiligten und versuchte, in alle Lücken zu springen, die ich sah, versagte dabei aber trotzdem am Anfang reichlich, da mein Erfahrungshintergrund doch nicht immer mit dem Familienalltag hier kompatibel ist. Jeder hat eben andere Prioritäten und hin und wieder ist es schwierig für mich, die Fremdperspektive einzunehmen und eben nicht von mir auszugehen.

Das kostete mich in den ersten Wochen viel Kraft und die Illusion, dass ich mit der notwendigen Anstrengung alle Fehler und Unstimmigkeiten vermeiden kann.

So musste ich mich immer wieder der Herausforderung stellen, über meine Befindlichkeit zu sprechen, die Situationen noch

mal durchzugehen und Korrektur einzufordern und anzunehmen. (...eine meiner LIEBLINGSbeschäftigungen...*stirnrunzel*)

Ich bin eben doch keine professionelle Nanny, die zudem über eine Allround-Ausbildung in

Haushaltsführung verfügt *lach*. Aber ich gebe mein Bestes, um meinen Platz hier bestmöglich auszufüllen. Dabei muss ich mir selbst die Option zugestehen, Fehler zu machen, muss Lösungsmöglichkeiten erproben und verwerfen dürfen. Vielleicht muss ich gar nicht alles auf Anhieb richtig machen. Vielleicht darf ich wachsen, lernen, vorwärts gehen, Schlachten verlieren und einen weiteren Versuch wagen. Interessanter Ansatz eigentlich... wäre doch glatt eine Überlegung wert. *lach*

Wie gut, dass mir jetzt, wo ich schon so viel gesehen und bereist habe, viel Zeit bleibt, um mich

genau an dieser Stelle

selbst immer wieder neu herauszufordern. Seit ich ein Fahrrad habe, erkunde ich nach dem „Ohne Orientierungssinn sieht man mehr von der Welt“ Prinzip die nähere Umgebung, versuche, die „1000 steps“, eine laaaaaange Treppe mitten im Regenwald mehrfach zu bezwingen und entdecke meine Kletterbegeisterung in der Halle nochmal neu.


Und so fliegt sie dahin, die Zeit, die mich lehrt, beschenkt, herausfordert und verändert. Schwemmt mich in Richtung Ufer, das ein neuer Anfang sein wird. Der Beginn einer neuen Zeit, die mich lehren, beschenken, herausfordern und verändern wird. Und die auf ihre Art und Weise wertvoll sein wird. Mit Sicherheit.


Mittwoch, 3. Februar 2010

Überraschende Umwege und neue Perspektiven


Regen. WAS für eine Erfindung! Er wäscht sie einfach weg, die Hitze, bringt die Welt zum duften und mich wieder zurück ins Leben... und das einfach so! Eigentlich liebe ich sie ja, die richtig heißen, flimmernden Sommertage aber der Umstand, dass ich meine Vorstellung von „richtig heiß“ hier ganz neu überdenken muss und die allgegenwärtige Trockenheit machen mir doch mehr zu schaffen als gedacht und lassen mich erkennen, dass so ein Regentag doch etwas ganz wunderbares ist! Mir gab er heute die Gelegenheit, meine persönliche Fahrradsaison zu eröffnen und endlich mein Fahrrad auszuprobieren, das eine Freundin der Familie vor geraumer Zeit für mich vorbei gebracht hat. Wie HAB ich das vermisst! Und bin ich über die Straßen und Wege geflogen, habe den Regen genossen und den unwiderstehlichen Duft der Pfirsichbäume. Habe über den Inhalt dieses Posts sinniert und dafür noch einmal all die Ereignisse der letzten Wochen und geordnet, die doch sehr reichhaltig waren.


Denn ich hatte Besuch aus Deutschland.

Thomas hatte sich tatsächlich für 24 Stunden ins Flugzeug gesetzt, um aus dem Rekordwinter Deutschlands direkt in den Hochsommer Australiens zu fliegen und hier zweieinhalb Wochen Mücken und Sonnenbrand aufs hartnäckigste zu bekämpfen.


Um dem langen Flug zumindest annähernd gerecht zu werden, wurde jegliches Jetlag direkt weggelassen...

...und sofort damit begonnen, so viel wie nur möglich von Australien zu sehen. Der kleine Mietwagen (den ICH im Übrigen SOFORT ins Herz geschlossen hatte, als ich ihn zum ersten mal sah: Klein und gelb hockte er in seiner Parklücke und zwinkerte sooooooooo verlassen mit seinen runden Augen… ich MUSSTE ihn einfach lieb haben und verzieh ihm schon im Voraus jeglichen Mangel an PS! Wen interessiert schon die LEISTUNG…!) hatte ordentlich zu tun: Nicht nur mit den wahrhaft australischen Entfernungen, die wir zurücklegten, um Wellen, Strand und Tiere aller Art zu sehen, sondern auch mit dem australischen Wetter, das hin und wieder mal alle Grenzen sprengte. Jaaaaa: 35 Grad sind WIRKLICH heiß aber… steigerungsfähig. Während in Deutschland offensichtlich ein Rekordwinter die Temperaturbereiche nach unten hin sprengte, erlebte ich hier die ersten 45 Grad meines Lebens. Unfassbar: Sobald man das Haus verließ, wähnte man sich im Backofen, wobei Wind sich tatsächlich anfühlte wie die Luft eines überdimensionalen Föns. Damit fiel die Entscheidung an diesem Tag eindeutig für die verdunkelten Innenräume unseres (erwähnte ich es nicht bereits… NICHT klimatisierten) Hauses, in denen ich mit Q auf den Abend wartete. Der brachte dann eine Abkühlung auf 33 Grad, womit sich der Nachtschlaf, nun ja… dezent verkürzte. Aber auf Melbournes Wetter ist Verlass: Bietet es einem auch nicht an jedem Tag die vier Jahreszeiten, so doch zumindest innerhalb einer Woche. Und als ich mich nicht einmal 5 Tage später am Abend mit Jeans, Pullover und Fleecejacke auf der Terrasse wiederfand, war all die Hitze kaum noch vorstellbar.


Für all unsere Unternehmungen allerdings, traf die Wetterzentrale immer genau die richtige Wahl:

Erstaunlicherweise schienen wir fast immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Das hat selbst mich hin und wieder mal sprachlos gemacht (...wenn auch nur vorübergehend. Hatte ich doch ENDLICH mal jemanden, über den ich meine "OOOOAAAHHRR ist das SCHÖÖÖÖÖÖÖÖÖN… IST das SCHÖHÖÖÖÖÖÖN!!!" Ausbrüche ausschütten konnte. Und das hab ich auch genutzt - so oft es nur ging!) So konnte ich mit meinem kleinen Bodyboard die meterhohen Wellen auf Mornington Peninsula bezwingen (obwohl… die Frage, wer wen bezwang ist wohl schlussendlich noch nicht ganz geklärt…), endlich einiges zu Fuß erkunden, was mit dem Auto nicht zugänglich ist und meine Surfkünste weiter ausbauen. *hust* Ich fürchte, es liegt noch ein weiter Weg vor mir… immerhin habe ich es geschafft für ein paar Sekunden auf dem Brett zu stehen - MEHRMALS! :) Dafür ließ ich mich von etlichen

Wellen ordentlich zusammenfalten, schluckte einiges an Meerwasser und kassierte schlussendlich einen ordentlichen Sonnenstich (während Thomas mit einem paar verbrannten Füßen heimging)… nichts gibt's für umsonst! Die Kombination aus Sonne, Salzwasser UND meiner Vergesslichkeit, der ich zu verdanken hatte, dass ich außer einem Kaffee am Morgen den ganzen Tag nahezu nichts trank, brachte mich komplett und sehr nachhaltig zur Strecke, um weite Teile meines Nachtschlafes und um die Great Ocean Road. Die war Teil eines Drei-Tages Trips, der für die anschließenden Tage geplant war und bedeutete für mich vor allem: Schlaf. Eingequetscht auf der Rückbank des kleinen Hyundays ließ ich mit geschlossenen Augen all die schönen Dinge lethargisch an mir vorüberziehen, hin und wieder gequälte Laute von mir gebend, die Thomas meiner Existenz versichern sollten. Der gab schließlich gegen 16.00 Uhr auf und mich in einem Hostel ab, wo ich mich selig ins Bett schleppte und sofort einschlief. Wie gut, dass ich die Great Ocean Road schon vorher gesehen und Bilder der 12 Apostels, die Thomas an diesem Abend allein besuchte, bereits auf dem Computer und noch im Herzen hatte…

Diese Erfahrung und Umstand, dass ich einen weitere Tag brauchte, um wieder voll einsatzfähig zu sein, hat mich von nun an untrennbar an Sonnenhut und Wasserflasche geschweißt… Auf dass es das LETZTE Mal war, dass mir sowas passiert.


Von der Great Ocean Road aus fuhren wir in die Grampians,

überraschend bergige Landschaft, ca. 200km südwestlich von Melbourne gelegen. Wie gut es tat, wieder einmal Berge zu sehen! Hatte man die erst einmal erklommen, breitete sich vor einem ein dunkelgrünes Meer von Eukalyptusbäumen aus, hin und wieder durchzogen von rotbraunen Linien - "Unsealed Roads", die direkt ins Abenteuer führten. Genau aus diesem Grund konnten auch wir dem Ruf der Wildnis nicht immer widerstehen und begaben uns hin und wieder auch auf eine solche… nun ja… gelinde gesagt "Schotterpiste".


Da die Geländetauglichkeit des kleinen gelben Getz' allerdings mehr im mentalen als im technischen Bereich lag, ließ sich das nur mit gutem Zureden, Luftanhalten, und einer großen Portion Zuversicht bewerkstelligen, was uns schlussendlich meist dazu bewog, doch lieber umzukehren und die wesentlich komfortablere Straße zu wählen.

Doch im Herzen, da bin ich mir sicher, hat er Allradantrieb und guuuutes Profil, der kleine gelbe Flitzer und ich glaube eine kleine Träne in seinen Lichtern erkannt zu haben, als wir uns für den Rückzug entschieden.


Gelohnt haben sich die Abstecher in den australischen Busch aber allemal. Nicht nur die Mächtigkeit der Vegetation beeindruckte mich hier sehr, sondern auch die Bewohner, die sie beherbergte. Hier, abseits der Straßen, kreuzten Emus unseren Weg und reckten verdutzte Kängurus ihre Nasen aus dem hohen Gras, während ein Echidnas seinen stacheligen Hintern ins Unterholz schob, als es uns sah. Sosehr ich mich doch auch schon an manches hier gewöhnt habe… all die Tiere, die hier so selbstverständlich da und dort auftauchen, machten mich doch immer wieder neu fassungslos.



HALLO!? Da hüpft ein KÄNGURUH durch den Wald… kein Reh… NEIN! Ein Känguruh… Wahnsinn. In solchen Momenten steht die Welt für mich noch immer Kopf.


Nach dem Drei-Tage-Probelauf der ersten Woche nahmen wir in der zweiten Woche schließlich DAS Vorhaben in Angriff...,

...packten Koffer, Zelt und vieeeel Sonnencreme in den nunmehr roten Leihwagen, entfalteten unsere überragend

undetaillierte "Landkarte" und brachen am 20.01. gegen 6:30 Uhr

in Richtung

Sydney auf. Ein echter Roadtrip entlang der Küste, mit allem, was dazu gehört. Fast 1000 km in fünf Tagen, sich treiben lassen, die Fahrt genießen, am Morgen nicht wissen, wo man am Abend landen wird und spontan entscheiden können, wo man bleibt und entdeckt. Fünf Tage lang Kampf mit den Elementen

und existenziellen Bedrohungen: Fünf Tage lang kein Kühlschrank, kein Bett UND keine Kaffeemaschine… doch auch DAS konnte uns nicht aufhalten! *räusper*



Tatsächlich verlief alles wirklich wunderbar… im wahrsten Sinne des Wortes. Wir sahen unheimlich australische Örtchen

und verlassene Landstriche, in denen man stundenlang kein Haus entdeckte. Wir begegneten riesigen Trucks und unheimlich gut aussehenden Oldtimern, entdeckten einsame Strände und wilde Küstenstriche, bei denen man hinter jeder Wegbiegung Frodo und die Gefährten auf der Suche nach dem Ring erwartete. Vor uns entfalteten sich glasklare Lagunen mit türkisblauem

Wasser und die Rufe der Bellbirds, die, Echoloten gleich, den Wald ausfüllten. Wir begegneten Robben, stacheligen Fischen und strahlend bunten Papageien, Delphinen und Pinguinen.

Entdeckten wunderschöne Muscheln und hin und wieder Relikte aus der Zeit der ersten Einwanderer, die das Ende einer Jahrtausende alten Geschichte einläuteten.


Auch wenn man äußerst selten und fast nie zufällig auf Anzeichen der Aboriginals stößt, bewegt mich doch der Gedanke sehr, dass all das Land, das ich mir hier erschließe, eigentlich ihr Eigentum ist. Hin und wieder, wenn sich genau das in mein Bewusstsein drängt, fühle ich mich wie ein Eindringling, der in einem fremden Haus herumstöbert, ein Haus, dessen Türen offen standen für die Ankömmlinge, ein Haus, das nun leer steht, weil dessen Einwohner nicht mehr

willkommen waren. Soweit ich herausfinden konnte, überließen die Aboriginals ihr Land

den Einwanderern im Unterschied zu anderen Völkern weitgehend kampflos. Weil sie sich selbst als Eigentum des Landes wahrnehmen… nicht umgekehrt - eine Sichtweise, die angesichts der überwältigenden Schönheit und Mächtigkeit dieses Kontinents für mich durchaus nachvollziehbar erscheint. Der Umstand, dass ihnen daraufhin so viel Unrecht geschah und ihr Vertrauen an so vielen Stellen offensichtlich schamlos ausgenutzt wurde, geht mir wirklich nah. Auch, weil das Schuldbewusstsein der nicht-indigenen Bevölkerung kaum zu erkennen ist und die Aufarbeitung der eigenen Geschichte hier offensichtlich deutlich weniger intensiv geschieht als ich es selbst von meinem Land kenne. Sicherlich kann man die beiden Nationen nicht vergleichen aber dennoch irritiert mich der unbefangene und meiner Meinung nach ein wenig unterreflektierte Stolz der Australier auf "ihre" Nation ein wenig. Sie scheinen hier noch einen Weg zu gehen haben… und haben in den letzten Jahren offensichtlich begonnen, ihre Schuhe zu schnüren, um erste Schritte zu gehen.


Nun ja. Unser Weg durch ihr schönes Land wird mir jedenfalls immer als besonderes Erlebnis in Erinnerung bleiben.

Als spannende, bunte und gesegnete Zeit, in der einfach alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort eintraf: Die Sonne, die Wolken, die Tiere und wir, die wir all das mit Augen, Ohren und Fotoapparat festzuhalten versuchten: Vielleicht sollte auch ICH jetzt über eine Festplatte im Terrabite-Bereich nachdenken… denn der finale 4-Wochen-Roadtrip liegt ja noch VOR mir (und rückt unaufhaltsam näher!!!)


All die Irrationalität, die sich bereits durch die ganze Woche gezogen hatte, kulminierte schließlich am vorletzten Tag,... ...der schlussendlich sogar MICH sprachlos machte (…von meinem Mitstreiter ganz zu schweigen *grins*) und alles überbot, was wir an „Zur-richtigen-Zeit-am-richtigen-Ort-Momenten“ in der vorangegangenen Zeit erlebt hatten.


Denn was auch immer dazu geführt hatte, kurz vor unserer Ankunft in Sydney schafften wir es tatsächlich nicht, uns zur angedachten Zeit für einen Zeltplatz an der Strecke zu entscheiden, geschweige denn einen zu finden! Ob es nun eine ungünstige Kombination aus Übermut und Unentschiedenheit oder einfach nur Pech war: Fakt war, dass wir am Abend des 23. Januars zwar weiter gekommen waren, als ursprünglich gedacht, aber weder Zeltplatz noch Hostel auch nur in Sichtweite waren. Der Umstand, dass sich unsere Tanknadel dem roten Bereich der ihr eignen Skala nicht mehr allzu lange widersetzen würde, machte mich in diesem Moment noch nicht wirklich nervös, unterstrich aber doch die Dringlichkeit unseres Vorhabens, jetzt endlich einen Platz zum Schlafen UND Tanken ausfindig zu machen. Dies gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht: Offensichtlich genoss die Region, die wir gerade durchquerten nicht gerade den Status eines Urlaubsgebietes, was zur Folge hatte, dass sich sowohl Zeltplätze als auch sehr rar machten. Dies änderte sich auch nicht, als wir uns entschieden, unser Glück im „Royal National Park“ zu versuchen, hatte allerdings den Effekt, dass wir von der auf unserer „Karte“ verzeichneten Strecke abwichen und nur noch eine vage Ahnung davon hatten, wo wir eigentlich waren. Nun ja... Auch wenn meine Entspanntheit der Situation hartnäckig stand hielt (... was mich ehrlich gesagt gründlich überraschte!), entschied ich spätestens in diesem Moment, dass wir vielleicht doch Hilfe gebrauchen könnten.

Noch bevor ich Gott nachhaltig klarmachen konnte, dass - äääähhhhm - unsere Situation in den nächsten zwei Stunden eventuell sein Eingreifen erforderlich machen könnten, entdeckte ich auch schon ein am Straßenrand geparktes Auto mitsamt seiner sympatischen Inhaber, die gerade im Begriff waren, ihren Besuch des Nationalparks zu beenden.

Ich hüpfte also aus dem Auto (...wobei ich spontaaaan all die Kleinteile mit mir riss, die sich im Laufe der Fahrt irgendwie in meiner Fußgrube abgelagert hatten...), nahm sie in Beschlag und fand heraus, dass wir für den Erwerb einer Zelterlaubnis bereits zu spät dran waren, es aber laut Autoatlas irgendwo „ganz in der Nähe“ („Ganz in der Nähe“!?...VERDÄÄÄÄÄÄCHTIG verdächtig!) einen Zeltplatz gäbe, der eventuell noch Asylsuchende wie uns aufnehmen würde. Das war UNSERE Hoffnung! Wir folgten also der Beschilderung, die uns gefühlte fünf Stunden durch nicht enden wollenden Urwald schickte (guuuut... VIELLEICHT spielt mir die Erinnerung jetzt DOCH einen Streich *räusper*) und fanden tatsächlich besagten Zeltplatz: Wunderschön gelegen, offensichtlich gut besucht und im Grunde „No-Go-Area“, wenn man, wie wir, nicht schon zwei Wochen vor Ankunft gebucht UND bezahlt hatte.


Angesichts unseres Tanks und der Tatsache, dass man in unserem Auto beim besten Willen nicht übernachten konnte, verlor das jedoch irgendwie an Relevanz... wir MUSSTEN irgendwie eine Lösung finden... und plötzlich fand sie uns:

Auf der Suche nach einem Zeltplatzmanager kam ich mit einer Familie ins Gespräch, denen ich unsere Situation schilderte, was sie kurzerhand dazu bewegte, uns ein Fleckchen ihrer gemieteten Fläche anzubieten. Nun... noch bevor unser Zelt aufgebaut war, steckten schon ein zwei eisgekühlte Flaschen tasmanischen Bieres vor uns im Gras, mit denen wir uns schlussendlich im familieneigenen Zelt wiederfanden, gemeinsam mit zwei warmherzigen australischen Ehepaaren und ihren Kindern. Was für ein Abend... wir philosophierten über Deutschland, Australien und die Welt, ließen uns von den riiiiiieeeeesiiiiiigen Guanas berichten, die angeblich über den Zeltplatz flanierten und verließen schließlich das Zelt mit einer Übernachtungsmöglichkeit für Sydney. Eine der beiden Familien wohnte tatsächlich in der Stadt... 20 Bahnminuten vom Zentrum entfernt, 10 Autominuten bis zum Flughafen und bot uns an, in ihrem... nennen wir es „Gartenhäuschen“ zu übernachten. Und so ersparten sie uns eine nervenaufreibende Hostelsuche, schenkten uns eine Nacht in einem richtigen Bett, unheimlich interessante Gespräche an ihrem Küchentisch und machten mich, wie erwähnt, sprachlos. Um Sydney wirklich zu genießen, war ich am Ende viel zu müde. Ich machte meine Fotos von Oper und Harbour-Bridge und rettete mich einfach irgendwie durch den Tag.


Als ich am nächsten Tag mein Flugzeug Richtung Melbourne bestieg und aus dem Fenster Thomas in Richtung Deutschland starten sah, konnte ich nur staunen, wie wunderbar alle Faktoren zusammengespielt hatten. Was sich nicht manchmal alles hinter der nächsten Wegbiegung verbirgt und wie wie überraschend bereichernd ein Umweg doch am Ende sein kann... das macht Lust auf mehr und gibt mir nicht zuletzt Hoffnung für meine Zukunft.


Montag, 21. Dezember 2009

Herzlich willkommen.

Da ist es nun… das neue Jahr.


Fast noch unberührt. Der Weg liegt wieder neu vor mir, mit all seinen Bergen und Tälern und den Biegungen, die mir den Blick auf das versperren, was kommt. Hm. Was werde ich wohl alles sehen? Mein Bedarf an Spinnen wäre jedenfalls für die nächsten Jahre gedeckt *g*

Ich weiß noch nichtmal, ob ich's denn wissen wollte. Mich auf den nächsten Schritt zu konzentrieren, mich nicht von der Angst vor dem übernächsten lähmen zu lassen. Mich an den Dingen am Wegesrand zu erfreuen anstatt vor Sorge, den Gipfel nicht zu erreichen, den Blick zu senken. An Wegkreuzungen auch mal meinem Herzen zu folgen… Das alles ist wohl ein Ertrag des Jahres 2009. Nicht dass ich all das nun beherrschen würde. *lach* Aber ich habe es ausprobiert. Hab immer wieder neu Anlauf genommen, bin gestolpert, gefallen, aufgestanden. Hab mich vorgetastet, manchmal geschimpft und geseufzt und ja… bin hin und wieder auch stehen geblieben. Wie gut, dass sie da waren, die Wegbegleiter… sie haben mir zugehört (jaaaa… manchmal sogar bis zum Sonnenaufgang!), mich ermutigt, nach Auswegen gesucht und geholfen, haben manchmal geschimpft, gebetet, geteilt und bewirtet… *hach*


und ihren Kopf hingehalten, wenn Steffi alle Register der "wie-blöd-kann-man-eigentlich-sein" Orgel gezogen hat.

Bedeutet im Klartext: Kofferraumklappe auf, Handtasche rein, Einkaufsbeutel hinterher, Kofferraumklappe zu. Klingt jetzt nicht so spektakulär? Nun ja… das wäre es auch nicht gewesen, wenn besagte Handtasche nicht (neben 200.000 mehr oder weniger verzichtbaren Kleinteilen) Autoschlüssel, Hausschlüssel, Portemonnaie, Pass UND -tataaaaa- Hand mitsamt allen wichtigen Nummern enthalten hätte. Noch bevor das klangvolle "rumms" verhallt war, wusste ich, dass ich ein Problem hatte… 20 km weit weg von zu Hause, lediglich bewaffnet mit einem Kleinkind, umgeben von einem Reifenhandel und einem Großmarkt für Obst und Gemüse. Sah so aus, als bräuchte ich Hilfe… DRINGEND! Im Nachhinein betrachtet, finde ich es fas erstaunlich, wie ruhig ich geblieben bin… also für MEINE Verhältnisse *grins* Das Wissen um die Verantwortung für den mir anvertrauten Q, der emsig kleine Steinchen von A nach B schleppte und dabei sehr seriös klingende Laute von sich gab, ließ mich sehr zielstrebig agieren, wozu gehörte, alle Anflüge von Panik gegen zielführende Aktivität einzutauschen. Irgendwie MUSSTEN wir in das Auto kommen oder zumindest jemanden erreichen… und irgendwie WÜRDEN wir es schaffen.

Nun ja… und da ich auf die "Ruf doch einfach die Auskunft an und frag nach der Firmennummer des Vaters" erst im Nachhinein kam (naaajaaaaaaaaaa… ich hab doch gesagt: Für MEINE Verhältnisse ruhig *g*!) wurden wir dadurch zum Fall für ganz oben. Jaaaa… für GANZ oben! Denn nachdem ich sofort im Großmarkt um Hilfe gebettelt hatte, sich deren Hilfsangebot jedoch auf die Möglichkeit eines Anrufes beschränkte (was ohne Nummern ja irgendwie nicht allzu zielführend war…) kam er auch schon: Mein persönlicher Engel. Ohne Flügel (ich hab den Eindruck, die sind bei Erdeinsätzen nicht allzu angesagt), dafür aber mit mächtig breitem Kreuz und beeindruckend schmutzigen Arbeitsschuhen. Der schaffte es zwar nicht, mein Auto aufzubrechen (ja… er HAT es versucht… geschlagene 30 min lang. Aber es hat sich erfolgreich gewehrt und alle seine Knöpfe fest nach unten gedrückt… das BIEST!), machte mir aber Mut, suchte nach Lösungen und schließlich mit mir eine halbe Ewigkeit lang die Firma von Q's Vater. Die lag nämlich nicht allzu weit von unserem Standort entfernt… nur war mir dummerweise die Adresse entfallen. Und was in Australien "Hier gleich in der Nähe" heißen kann, hatte ich ja bereits erwähnt. Als wir sie schließlich tatsächlich fanden, fielen mir Gebirge vom Herzen. Und er verschwand… noch bevor ich ihn nach seinem Namen fragen konnte. So konnten wir uns nicht einmal erkenntlich zeigen… So viel Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Zeit an eine Fremde zu verschenken und das mitten im Alltag finde ich echt vorbildlich!

Was bleibt, sind ein Berg Dankbarkeit, eine ganze Portion Ärger über mich selbst und eine akkute "Schlüssel-im-Auto-einschließ-Phobie", die hoffentlich verhindert, dass mir sowas nochmals passiert. Zumindest für die nächsten 20 Jahre :)


Daneben hatte ich das Privileg, in den letzten Wochen in australische Weihnachtsbräuche eingeführt zu werden.

Zu denen gehörte auch die Teilnahme an "Carrols by Candlelight", einem kollektivem Weihnachtsliedersingen im Park, zu dem sich tatsächlich mindestens 1000 weitgehend rotbemützte Australier mit Picknikausrüstung und (tataaaaa: Waldbrandgefahr) blinkenden Plastik-Kerzen im Grünen einfanden, um gemeinsam mit Orchester und diversen Profis "Jingle Bells" und andere Absurditäten zu schmettern: Einfach anders, sehr sympathisch und wie ich finde typisch "aussie".


Genau wie die so genannten "Christmaslights", die mir schlussendlich nun doch meinen Kulturschock bescherten. Jaaaa...

auch hier schmückt man die Fenster… und nicht nur die. Zwar nicht überall, aber wenn, dann richtig. Dafür kidnappt man dann auch schon mal Homer Simpson, steckt ihn in Santa-Claus-Uniform und zwingt ihn dazu, Weihnachtslieder im Vorgarten zu performen. Wenn man sich dann noch dazu hinreißen lässt, eines der in kleinen Buden am Straßenrand angebotenen Laserschwerter zu kaufen, die das ganze Ambiente mit farbenfrohem Lichterspiel und klirrender Wiedergabe des (unbestreitbar ultimativ weihnachtlichem) Klassikers "Axel F" abrunden, ist das Glück perfekt. Jaaaaa… da leuchten nicht nur die Kinderaugen sondern mit Sicherheit auch die der Energieversorger… Weihnachten: Das Fest der Nächstenliebe.


Abreagiert habe ich mich dann auf der Great Ocean Road - einem der Wahrzeichen Australiens, das als Kriegsdenkmal errichtet wurde und nun die Möglichkeit bietet ca. 200 km mehr oder weniger direkt an der Südküste Australiens entlang zu cruisen. Mein erster kleiner Roadtrip über zwei Tage, mit Koalas, Regenwald, berauschenden Aussichten, tollem Wetter (zumindest an Tag 1…), 100000 Fotos und dem besten Eis der Welt! Die Werbung für den kleinen Betrieb, in dem das Eis offenbar mit viel Liebe selbst hergestellt wird, hatte ich auf einem Flyer entdeckt, den ich irgendwann mal irgendwo eingesammelt hatte (genau wie 563 andere, die nun die Belastbarkeit meiner Nachttischschublade HART auf die Probe stellen… aber man KÖNNTE sie ja doch vielleicht IIIIIRGENDWANN mal noch brauchen…). Und oh WUNDER: Ich fand ihn im richtigen Moment wieder und wir labten uns an überdimensional großen Wunderkugeln. Genauso nachhaltig, wenn auch in anderer Hinsicht, war der Anblick der 12 Apostels. Auch wenn schon lang nicht mehr 12 spitze Felsen in der Nähe von Apollo Bay aus dem Ozean ragen, gehören sie wohl noch immer zu einem der Höhepunkte der ganzen Strecke. Wir hatten das Glück, genau zum Sonnenuntergang dort anzukommen, der die ohnehin schon roten Felsen und den roséfarbenen Sand zum Glühen brachte und mir postkartenreife Fotos bescherte. Unglaublich. Wenn ich mir die Fotos im Nachhinein noch einmal anschaue, fällt es mir fast schwer zu glauben, dass ich wirklich dort war.




Die verbleibende Zeit war gefüllt von allerlei Alltagen, Fortschritten von Q (jaaaaaaaa: ICH habe ihm das Bye-Bye-Winken beigebracht, was er jetzt auf Knopfdruck kann. Geradezu ein Paradebeispiel für alltagsrelevantes Lernen!!! *g*), Weihnachtskarten, Sommertemperaturen und Strandbesuchen, ein wenig Heimweh, unzähligen Skype-Telefonaten und dem Suchen und Finden von Weihnachten. Ja… Finden. Auch wenn mir Familie, Kälte, Lichterglanz und Weihnachtsduft wirklich gefehlt haben, war es doch ein sehr besonderes Weihnachtsfest für mich. Schwer zu beschreiben… es war, als ob ER auf mich gewartet hätte. Wie, als hätte er mir zugezwinkert, mit einem Lächeln im Gesicht: "Los komm! Grund zum Feiern…" Und das haben wir gemacht. Ich mit Sommerkleid und Sandalen… die ich erste mal in meinem Leben zu Weihnachten getragen habe :) Zum Mittag gab es Sushi (oh jaaaa, ich weiß… Sushi zu Weihnachten… das hat nahezu anarchistische Züge) und am Abend sind wir nach dem Gottesdienst tatsächlich noch gemeinsam weggegangen. Haben lecker gegessen und lecker Cocktails getrunken. Weltpremiere… und sooo gut.


Am 25. war ich schließlich von einer australischen Freundin zur Familienfeier eingeladen. Hier gab es bunt gemischtes Essen, herzliche Polen, Tschechen und Australier UND zum Abschluss sogar Rosen aus dem Garten. Im Dezember :)

Mit Sicherheit: In diesem Jahr werde ich die Erzgebirgsweihnacht im Kreise meiner Familie doppelt genießen. Aber mein besonderes Weihnachtsfest im Jahr 2009 werde ich wohl nie vergessen.


Nun, da ich hier bei nahezu tropischen Temperaturen auf meinem Bett liege und diese Zeilen schreibe, liegt das alles schon fast zwei Wochen zurück.

An Silvester hat mich die Hitze so sehr geschafft, dass ich mich am Abend eigentlich nur noch nach einem Bett aus Eiswürfeln gesehnt habe. Die 35 Grad Außentemperatur hatten nach zwei Tagen jeden Winkel des Hauses erobert (hatte ich bereits erwähnt, dass wir zu den ausgewählten Haushalten in Australien gehören, die KEINE Klimaanlage und KEINEN Pool besitzen!?) was bedeutete, dass es außer dem Supermarkt keine wirkliche Zuflucht mehr gab.

Da ich mich aber dann doch gegen die Müdigkeit und für die Gemeinschaft entschied, habe ich den Silvesterabend mit etlichen Leuten aus der Gemeinde verbracht. Nun… Singstar und Guitar-Hero sei Dank gab es viel zu lachen. Und dennoch habe ich mich ein wenig fremd gefühlt. Drei Monate sind eben doch nicht die Welt und Vertrautheit braucht Zeit. Und da wir zu weit von der City entfernt waren, die zudem zu späterer Stunde noch im Platzregen versank, habe ich nicht Melbournes Feuerwerk gesehen (dafür aber das von Sydney - im TV :D).

All das war aber für mich nur halb so schlimm. Zum Jahreswechsel, auf der Schwelle zwischen altem und neuem Jahrzehnt, in Australien zu sein, auf das Jahr zurückzublicken und zu sehen, wie sich manches gewandelt hat, hat völlig ausgereicht, um mich lächeln zu lassen. Leise und nur für mich. Aber voller Hoffnung und mit ein wenig Abenteuerlust. 2010… da bin ich, um dich zu erobern!



Montag, 7. Dezember 2009

Weihnachten. Weihnachten?

Sonnenschein. Das Sommerkleid ausführen. EIn Spaziergang durch den Park. Cappuccino trinken im Café. Die Decke auf der Wiese ausbreiten. Blauer Himmel über mir - 2. Advent.


Schon bevor ich in Deutschland meine Koffer gepackt habe, war ich ein wenig gespannt, wie die Adventszeit hier aussehen würde,...


...wie Weihnachten wohl sein würde - weit weg von zu Hause, von Familien und Freunden, von Kälte, Dunkelheit, Weihnachtsmärkten und Lichterglanz. Ich hatte erwartet, dass es anders sein würde. Hier angekommen muss ich allerdings feststellen, dass Weihnachten für mich hier nahezu unerreichbar ist.

Das Wetter (abgesehen von "Soviel Regen hatten wir seit Jaaaahren nicht" Wochen) und die Temperaturen lassen mich völlig vergessen, dass sich das Jahr dem Ende neigt. Die länger werdenden Tage laden eher zum Grillen ein als zum gemütlichen Beisammensein im Kerzenschein, Glühwein würde mich hier wohl sofort ins Delirium befördern, Pfefferkuchen schmecken bei der Wärme irgendwie nicht und mit dem Räuchermann kann man hier eher die Mücken vertreiben als dass sich damit eine einigermaßen authentische Weihnachtsstimmung erzeugen lässt. Es fühlt sich eher wie ein Sakrileg an, wenn sich der Weihrauchduft bei 27 Grad im Zimmer ausbreitet. Räucherkerzen mitten im SOMMER!? Sowas MACHT man doch nicht!


Da hilft auch kein Weihnachtsbaum. Überraschenderweise haben wir seit dieser Woche sogar einen! Dummerweise sieht der nicht aus wie ein Weihnachtsbaum und trägt eine blinkende bunte Lichterkette im Eiswürfel-Design, die ihren Blinkmodus sogar SELBSTSTÄNDIG variieren kann und das auch mit einer penetranten Regelmäßigkeit tut (…was den Erzgebirger mit sofortiger Wirkung nachhaltig erblinden lässt).


Nein. Weihnachtsbäume wirken hier fast befremdlich und das dezente Jingle Bells im Supermarkt macht hier als Weihnachtslied überhaupt keinen Sinn… Sollen sie HEIR doch mal "Last Christmas" spielen! Das dürfte doch schneefrei sein… Das habe ich, unglaublich aber wahr, noch nicht EINMAL gehört! Ich frage mich auch, ob den Kindern hier auffällt, dass Santa Claus in DEM Outfit schon nach 10 Minuten den Hitzetod erleiden würde…


Wie dem auch sei. In mir kommt nicht ein Hauch eines vorweihnachtlichen Gefühls auf.

Bin ich denn wirklich so abhängig von all diesen Äußerlichkeiten? Von der Kälte, von der Dunkelheit am Abend, von dem Duft eines Weihnachtsmarktes, eines Räucherkerzchens, eines gerade entzündeten Streichholzes? Von der Atmosphäre beheizter Räume, dem Lichterspiel, das eine Pyramide an die Zimmerdecke zaubert, dem Anblick beleuchteter Dörfer, die sich wie kleine Lichterpfützen in den Tälern sammeln und glitzernden Weihnachtsbäumen in den Vorgärten? Macht DAS denn wirklich Weihnachten für mich aus?

Wohl mehr als ich dachte. Schon allein das Niederschreiben dieser Wörter löst in mir bereits etwas aus. Scheinbar haben all diese Rituale und Symbole, all diese Äußerlichkeiten einen unheimlichen Einfluss auf meine emotionale Befindlichkeit. So als würden sie mir signalisieren: Es geht los! Mach dich bereit!

Hier, wo all das fehlt, scheint Weihnachten nahezu unmöglich zu sein.


Eine Erkenntnis, die mich überrascht und nachdenklich macht. Denn EIGENTLICH weiß ich doch worum es geht.

Predige es mir und den anderen jedes Jahr. Es geht um IHN. Um Jesus. Der sich für mich entschied. Ich war es ihm wert. Meine Freiheit. Sie war IHM alles wert. All den Schmerz, all den Verlust, all die Kälte und all die Dunkelheit durch die er ging. DAS ist Weihnachten. DAS ist der Kern, der doch eigentlich unabhängig von der Hülle ist, in die wir ihn verpacken. Eigentlich weiß ich das. Und doch fällt es so schwer, Weihnachten hier zu greifen. Sogar am Adventssonntag. Hm… Stoff zum Nachdenken…


Ansonsten habe ich in den letzten anderthalb Wochen eine "Sightseeing-Pause" eingelegt.

Um all die Bilder setzen zu lassen, ein wenig Zeit für andere notwendige Erledigungen frei zu räumen und zu sondieren, was ich vielleicht ein zweites Mal sehen möchte und welche neuen Ziele noch sehenswert sein könnten.

Daneben musste ich verkraften, dass meine Schwester nun doch nicht mit mir Australien verunsichern wird, was bedeutete, Pläne aufzugeben und umzuschmeißen - nachdem die Tränen getrocknet und die Taschentücher beseitigt waren.


Das verschaffte mir allerdings einige Gelegenheiten, mit der entzückenden deutschen Lea Melbournes ebenso entzückenden Stadtteil St. Kilda zu erkunden und Zeit mit "meinen" Australiern zu verbringen.

Ihre Freundlichkeit, ihr Interesse und ihr Humor machen es mir leicht, über meinen Schatten zu springen, mich immer wieder neuen Leuten zu öffnen und mein Englisch durch unzählige Fehler zu verbessern. Ich habe in den letzten Wochen nicht nur "Dornrosken waaar war aaain schoooune Kind" als die letzten Überreste eines irgendwann abgesessenem Deutschunterricht identifiziert und habe gefühlte 2000 Mal betont, dass ICH Rammstein im Gegensatz zu scheinbar aaaaallen Australiern jetzt nicht sooooo toll finde, NACHDEM ich die obligatorische Frage nach dem Fahren auf deutschen Autobahnen beantwortet hatte.

Ihnen habe ich zu verdanken, dass meine Kamera wieder geht… ohne, dass ich auch nur einen Cent dafür bezahlt habe. Tatsächlich… ins Objektiv war Sand geraten. Doch meine Kamera wurde an fähige Menschen weitergeleitet, die sowohl Knoff-How als auch Werkzeug besaßen um das Objektiv zu zerlegen, den Grund allen Übels zu beseitigen und die Kamera danach wieder funktionstüchtig zu bekommen. Jetzt habe ich sie wieder, bin wieder ein ganzer Mensch und sooo glücklich.

Wenn ich doch zuweilen auch nicht ALLES im Bild festhalten will...:






















An einem Samstag Abend waren wir in Melbourne unterwegs. Auf dem Weg in die Stadt gab es einiges zu sehen: Reiche Viertel, deren Straßen von sündhaft teuren Brautmodengeschäften und Boutiquen gesäumt waren, Melbournes Wolkenkratzer und die geschäftige, aufgebretzelte und weitgehend gut gelaunte Menge auf dem Weg in all die Clubs, Pubs, Cafés und Theater.

Soweit so gut. Als wir dann allerdings an einer Ampel direkt an Melbourne Albertpark zum stehen kamen, kam ich nicht umhin, die riesigen Fensterfronten eines großen Hotels direkt an der Straße zu betrachten und entdeckte da hinter der Fensterscheibe im fünften oder sechsten Stock eine vermeintliche griechische Statue. Die Arme in die Hüften gestemmt, den Blick in die Weite gerichtet, sich in voller Größe der Welt hingebend… unbekleidet. Und mit unbekleidet meine ich… wirklich unbekleidet. Total unbekleidet. Der Umstand, dass sich vermeintliche Statue dann plötzlich bewegte (aber nicht um sich anzuziehen… NEEEEEEIIIIN… nur um den Kopf in "was kostet die Welt Manier" von rechts nach links zu schwenken) löste in mir eine dezente Hysterie aus.

Ich glaube, nun haben meine australischen Freunde auch DIESE Seite von mir kennen gelernt… DIE Steffi, die mit weit aufgerissenen Augen quietschend auf dem Rücksitz herumhoppelt und immer wieder "There was a naked maaaaaan" skandiert, hin und wieder aufgelockert durch ein dezentes "AAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHH!"


Ähhhh… ja. Nach meinem naiven Dop-Bear Reinfall und der Tatsache, dass ich irgendwie JEDES Mal bevor wir aufbrechen nervös meine Handtasche nach Handy und Schlüssel durchsuche (Was heißt durchSUCHEN! Ich tauche gewissermaßen in meiner Tasche… versuche auf den Grund zu kommen und finde dabei alles mögliche, nur nicht das was ich will. Räume alles aus um dann im allerletzten WINZIGEN Fach das zu finden was ich suche. Das alles untermalt von nervösen Lauten und panischen "Where's my key!? Did I lost my mobile!?" Ausbrüchen), ganz zu schweigen von dem Umstand dass ich auf Parkplätzen immer mein Auto suche und für jede auch schon tausendmal gefahrene Strecke immer wieder eine Wegbeschreibung will, kennen sie nun auch DIESE äußerst vorteilhafte Seite meiner selbst.

Solange sie mich immer noch mitnehmen, bin ich glücklich. Und WENN es aus Mitleid ist…


Was ganz gut in dieses Konzept passt, ist eine kleine Episode, die ich mit Q in der letzten Woche erlebt habe.


Ich war zwei Tage ein wenig kränklich und lag viel auf dem Sofa. Q saß neben mir auf dem Boden, wirkte eigentlich ganz zufrieden und untersuchte mit ernstem Gesichtsausdruck und sehr seriös klingenden Lauten dies und das. Auch mein Handy, das irgendwie im Laufe der Untersuchungen herunterfiel und seinen Akku verlor. Ach… nich so schlimm! Ohne Akku, kann ja nix passiiieeeeeren!

Und plötzlich verschwand er. MIT meinem Handy… ein Detail, dass mir irgendwie entgangen war, bis ich ein leises "ohhhh" aus Richtung des Badezimmers hörte.

Ich folgte Geräusch und Intuition und so standen wir nun beide da und betrachteten ein Wunderwerk der Technik… unter Wasser… auf dem Boden der heimatlichen Toilette. Ja, tatsächlich. Q war mit meinem Handy direkt ins Badezimmer seiner Eltern marschiert und hatte selbiges zielstrebig in der Toilette versenkt. Was auch sonst? Jaaaa Rick… ich sehe dich DIREKT vor mir! Wie du dir die HÄNDE reibst, wenn du das liest und Genugtuung empfindest für das, was ICH dir damals antat. Wie gut, dass ICH dich inclusive deines einzigartig antiken Handys nur in den See geworfen habe, oder!? Da kannst du mal sehen, was alles so möglich ist! :D Aber weil ich damals so herzzerreißend Buße getan habe, wurde auch mir Gnade gewährt. Denn todesmutig habe ich mein Telefon den Fluten entrissen und es liebevoll getrocknet - Fürsorge, die es mir nun mit wieder hergestellter Funktionstüchtigkeit dankt. Die einfachen Dinge sind doch hin und wieder die Besten! So lange mein Mobiltelefon DAS mitmacht, braucht es keine Kamera! :D


Wenn DAS kein Weihnachten ist!?

Die wunderbare Wiedergeburt von Kamera und Handy… ganz ohne Finanzspritze, ganz einfach geschenkt.


Ich hoffe, ich kann ihn noch finden. Den Kern der Weihnacht. Für mich persönlich. Und ihn in mein Herz pflanzen. So dass er dort Wurzeln schlagen kann und Blätter, Blüten, Früchte treibt. Früchte, die ich verschenken kann und die mit SICHERHEIT keine blinkende Lichterkette tragen müssen!


Freitag, 20. November 2009

Zeitsprünge und andere Übungen

Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht.

In der ersten Woche tröpfelten die Stunden so langsam vor sich hin, dass ich schon nach drei Tagen eine Art von "Mann bin ich schon lange hier"-Stolz entwickelte… und plötzlich bin ich schon mehr als vier Wochen hier (und verfehle NOCH IMMER hin und wieder den Eingang in unsere Straße… nein, nicht weil ich die Kurve nicht kriege, sondern weil ich die Straße nicht wiederkenne. Manche Dinge ändern sich wohl nur schwerfällig… Nicht wahr, Sabine: Ganz Chemnitz ist voll von "Wohnte-hier-nicht-der-Benny?-Straßen"! Zumindest für MICH!).

Ich fühle mich, als sei irgendwann ein Damm gebrochen… Nun reißt es mich fort - quer durch die Zeit - und ich schwimme so gut ich kann. Versuche, meinen Kopf über Wasser zu halten um so viel zu sehen wie möglich. Und genieße das Gefühl, hin und wieder den Boden unter den Füßen zu verlieren und etwas ganz neues zu wagen.


In den letzten Tagen steckte mein Kopf allerdings mehr in unserem Küchenschrank als im Wasser :)

Dort wühlte er sich durch Berge von Nudel-und Haferflockenpackungen, Zwiebeln und Tonnen von Dosentomaten und erdachte ein System um genau diese gebührend zu archivieren: Ein bisher unbekannter Teil meiner selbst scheint doch einen Hauch deutscher Ordnungsliebe konserviert zu haben.

Jedenfalls erntete ich gehörigen Beifall, nachdem ich meine Aufräumarbeiten abgeschlossen hatte und jaaaaa, sie gehen nun davon aus, dass den Deutschen die Ordnung im Blut liegt… aufgrund MEINER unglaublichen Leistung! :D



Und so haben wir in der letzten Woche doch recht viel gearbeitet: DIe Steffi kroch durch die Schränke, Q verteilte deren Inhalt mit seeeehr geschäftigem Blick überall im Haus und unser Zuwachs, die Katzenbabys, hatte dann seinen Spaß damit… was Steffi wiederum dazu bewog, all die guten Dinge wieder einzusammeln und so das Spiel von vorn beginnen zu lassen. Hach ja… man muss ja auch mal was TUN für sein Geld!


Nebenher koche ich mich, verantwortlich für 3 warme Abendessen in der Woche, quer durch alle Kochbücher und probiere die wildesten Kreationen aus: Frei nach meinem Motto: Je übler es klingt, desto besser schmeckt es. Ich wurde gleich nach meiner Ankunft ermutigt, zu kochen was ich möchte. Gleichzeitig wurde mir versichert, dass sie alles, aber auch wirklich alles essen würden. Nun…dann reize ich diese Gelegenheit so richtig aus! Bisher haben sie Wort gehalten und ich echt was dazu gelernt!

Probanden, die das Ergebnis meiner Experimentierphase im eigenen Leib erleben möchten, können sich ab sofort anmelden! Für das Jahr 2010 sind noch einige Plätze frei… :D



Doch nicht nur in der Küche gewinne ich neue Erkenntnisse, auch meine freien Tage halten genügend Lernpotenzial bereit.

In den letzten beiden Wochen hab ich die damit verbracht, in der Goldgräberstadt Ballaret Goldbarren im Wert von über 100.000 AUD in die Kamera zu halten, die Küste von Mornington Peninsula zu erkunden und in Melbourne Parkplätze zu suchen. Stundenlang. Das nächste Mal fahr ich mit dem Zug rein. Oder nehme Kleingeld mit… Das braucht man nämlich, um dem Parkautomaten einen entsprechenden Parkschein zu entlocken, der dann wiederum verhindert, dass man ein Knöllchen bekommt. Bei den Preisen hier wohl eher eine Knolle… denn wenn es stimmt, was man so hört, zahlt man für Falschparken hier schnell mal 60 AUD. Also hab ich zunächst tatsächlich versucht, am Sonntag einen kostenlosen

Parkplatz zu finden um dann nach einer Stunde sinnlosem linksabbiegen-rechtsabbiegen-linksabbiegen-rechtsabbiegen das Objekt "Geldautomat" zum temporären Primärziel zu erklären. Als ich dann endlich entsprechenden Automat der richtigen

Bank (WÄHREND der Fahrt) geortet hatte und das ihm entlockte Geld in Münzen getauscht hatte, war der Nachmittag im Grunde gelaufen.

Denn ich war komplett durchgeschwitzt, mit den Nerven fast am Ende, hatte nur einen Parkplatz für 2,5 Stunden und dafür fast ebenso viel bezahlt, wie für eine 2-Zonen Tageskarte. "Just criminals pay cash" hat James mir beigebracht… dafür sind Kriminelle aber wenigstens in der Lage Parkscheine zu lösen… und Straßenbahntickets. Wäre also eine Überlegung wert... :)

In der Straßenbahn bereicherte mich meine chronischer Kleingeldmangel allerdings um ein ziemlich lustiges Erlebnis.

Denn ich war schon eingestiegen, als ich in die leeren, dunklen Schluchten meines Portemonnaies schaute und feststellte, dass ich mit dem nächstbesten Metlink-Officer wohl ein kleines Problem haben würde, da auch hier die Automaten weder Karten noch Scheine nehmen. Gut, im Ernstfall hätte man immer noch die Survival-Kombi anwenden können: Unschuldig verunsichertes Lächeln, herzallerliebster Augenaufschlag und deutscher Touri-Akzent der allerfeinsten Sorte, in dem jegliche Ansätze eines korrekt intonierten "th" eliminiert wurden… Aber da ich mein Geheimwaffen-Arsenal doch nicht überstrapazieren wollte, entschied ich mich für die legale Variante: Das Bezahlen. Was voraussetzte, dass der Schein in Münzen umgewandelt werden musste (wenigstens hatte ich HIER Geldscheine dabei… im Gegensatz zu meiner Park-Odyssee). Ich fragte also das erstbeste Pärchen, das ich in der Bahn erspähte, ob sie mir 5$ kleinmachen könnten, was sie mit - ich übersetze - "Leider nicht, wir haben auch gerade ein Ticket gekauft" freundlich verneinten. Allerdings nur solange ich mich ihnen zuwandte… Denn als ich mich umdrehte, um meine Suche an anderer Stelle fortzusetzen, ließ sie sich doch tatsächlich zu einem "Also… sowas WEIß man doch eigentlich…!" hinreißen - auf DEUTSCH. Tja… ich musste mich nur umdrehen und "Ja… ich glaub, ich bin dafür einfach noch zu neu hier" sagen, um sie zum Erröten zu bringen, wobei ihr Freund den Voupas frenetisch feierte. DIE Lektion habe auch ICH gelernt…


Ansonsten habe ich mein Auto vor allem außerhalb der Stadt durch das Land gescheucht.

Gemeinsam mit zwei anderen Aupairs habe ich Ballarat besucht und dort mal

das volle Touristenprogramm mitgenommen: Wir haben uns eine nachgebaute Goldgräberstadt angeschaut, die zeigte, wie Menschen vor über hundert Jahren hier ihr ihr Glück gesucht haben und haben Goldnuggets und andere wertvolle Dinge im Goldmuseum bewundert. Auch in den letzten Jahren wurden hier noch riesige Nuggets gefunden, nur 35 cm unter der Erdoberfläche. Vielleicht solle ich meine berufliche Laufbahn nochmals überdenken…



Ein wenig Goldstaub durfte ich bereits jetzt schon schnuppern. Denn ungeachtet der Tatsache, dass gerade Mittagspause war, spazierten wir einfach in ein Gebäude der nachgebauten Stadt und trafen dort auf einen höchst sympatischen Australier, der äußerst gut gelaunt war und sich von uns bereitwillig um den Finger wickeln ließ. Erst scherzten wir ein wenig, dann funkelte er uns an, öffnete eine eine Tür, dann einen Tresor und drückte uns einfach einen Goldbarren in die Hand, um uns DAS Foto schlechthin zu bescheren. Wahrscheinlich gefielen wir ihm einfach… die drei jungen deutschen Nannys :D Denn alle anderen durften das Gold später nur aus gebührender Entfernung betrachten, geschweige denn berühren!


Auf dem Rückweg nahmen wir dann einen kleinen Umweg (Ha! Die Metamorphose meines Entfernungsempfindens ist abgeschlossen… ich spreche hier nämlich von 100 km!) und wählten den Weg durch den Bush. Wir

folgten schmalen Straßen, die komplett ohne Häuser, Tankstellen, Geschwindigkeits- oder Richtungsschild auskamen, dafür aber von Känguru-Warnhinweisen und lustigen Briefkästen gesäumt waren die meiner Meinung nach ziemlich gut widerspiegeln, was ich von den Australiern bisher kennen gelernt habe: Jedem seine kleine Meise :) (Oder wie besagter Mitarbeiter uns im Zuge unserer lustigen Konversation zuraunte: "Should I tell you something about the Aussies? We Are straaaaange." Ja. Hab ich auch schon gemerkt!) …Aber das ist mir nochmal einen Extra-Post wert!


In dieser Woche umrundeten wir schließlich die Bucht, in der Melbourne liegt und besuchten die Gegend um Mornington Peninsula. Das Wetter war soooo toll und die Strände einfach atemberaubend. Glasklares Wasser, in dem ich sogar eine Handvoll bunt gepunkteter Fische gesehen habe. Ich glaube, ich war die ganze Zeit nur damit beschäftigt all die kleinen Strandwunder zu suchen und zu finden und buddelte mich so durch die Gegend. Zumindest sieht das auf den Fotos so aus, die ich von den anderen Mädels bekommen habe… wie VORTEILHAFT! Genau aus DEM Grund fotografiere ich lieber SELBST!






Da meine Kamera allerdings in Wilsons Prom Sand verschluckt hat, kann ich genau das nicht. Glücklicherweise hat man sich ihrer angenommen, ist allerdings bisher noch nicht zu einem befriedigendem Resultat gelangt. Ich hoffe auf Wiederherstellung und bete um Heilung - und bin bis dahin abhängig von den anderen…


Nur noch reichlich drei Wochen und dann buddelt sich meine Sabine MIT mir durch den australischen Sand. Dann kriegen wir uns gar nicht mehr ein vor Begeisterung, werfen uns gemeinsam in die Wellen und in den Wetsuit. Dann wird Bekanntschaft mit Tasmanien gemacht und die Great Ocean Road verunsichert - Aber so RICHTIG! Ohhhh wie ich mich freue! Bis dahin klaube ich Katzenbabys aus Vorhängen, jage Q kichernd um den Tisch und lasse meiner Ordnungswut freien Lauf… vielleicht auch mal in MEINEM Zimmer! :D