Montag, 7. Dezember 2009

Weihnachten. Weihnachten?

Sonnenschein. Das Sommerkleid ausführen. EIn Spaziergang durch den Park. Cappuccino trinken im Café. Die Decke auf der Wiese ausbreiten. Blauer Himmel über mir - 2. Advent.


Schon bevor ich in Deutschland meine Koffer gepackt habe, war ich ein wenig gespannt, wie die Adventszeit hier aussehen würde,...


...wie Weihnachten wohl sein würde - weit weg von zu Hause, von Familien und Freunden, von Kälte, Dunkelheit, Weihnachtsmärkten und Lichterglanz. Ich hatte erwartet, dass es anders sein würde. Hier angekommen muss ich allerdings feststellen, dass Weihnachten für mich hier nahezu unerreichbar ist.

Das Wetter (abgesehen von "Soviel Regen hatten wir seit Jaaaahren nicht" Wochen) und die Temperaturen lassen mich völlig vergessen, dass sich das Jahr dem Ende neigt. Die länger werdenden Tage laden eher zum Grillen ein als zum gemütlichen Beisammensein im Kerzenschein, Glühwein würde mich hier wohl sofort ins Delirium befördern, Pfefferkuchen schmecken bei der Wärme irgendwie nicht und mit dem Räuchermann kann man hier eher die Mücken vertreiben als dass sich damit eine einigermaßen authentische Weihnachtsstimmung erzeugen lässt. Es fühlt sich eher wie ein Sakrileg an, wenn sich der Weihrauchduft bei 27 Grad im Zimmer ausbreitet. Räucherkerzen mitten im SOMMER!? Sowas MACHT man doch nicht!


Da hilft auch kein Weihnachtsbaum. Überraschenderweise haben wir seit dieser Woche sogar einen! Dummerweise sieht der nicht aus wie ein Weihnachtsbaum und trägt eine blinkende bunte Lichterkette im Eiswürfel-Design, die ihren Blinkmodus sogar SELBSTSTÄNDIG variieren kann und das auch mit einer penetranten Regelmäßigkeit tut (…was den Erzgebirger mit sofortiger Wirkung nachhaltig erblinden lässt).


Nein. Weihnachtsbäume wirken hier fast befremdlich und das dezente Jingle Bells im Supermarkt macht hier als Weihnachtslied überhaupt keinen Sinn… Sollen sie HEIR doch mal "Last Christmas" spielen! Das dürfte doch schneefrei sein… Das habe ich, unglaublich aber wahr, noch nicht EINMAL gehört! Ich frage mich auch, ob den Kindern hier auffällt, dass Santa Claus in DEM Outfit schon nach 10 Minuten den Hitzetod erleiden würde…


Wie dem auch sei. In mir kommt nicht ein Hauch eines vorweihnachtlichen Gefühls auf.

Bin ich denn wirklich so abhängig von all diesen Äußerlichkeiten? Von der Kälte, von der Dunkelheit am Abend, von dem Duft eines Weihnachtsmarktes, eines Räucherkerzchens, eines gerade entzündeten Streichholzes? Von der Atmosphäre beheizter Räume, dem Lichterspiel, das eine Pyramide an die Zimmerdecke zaubert, dem Anblick beleuchteter Dörfer, die sich wie kleine Lichterpfützen in den Tälern sammeln und glitzernden Weihnachtsbäumen in den Vorgärten? Macht DAS denn wirklich Weihnachten für mich aus?

Wohl mehr als ich dachte. Schon allein das Niederschreiben dieser Wörter löst in mir bereits etwas aus. Scheinbar haben all diese Rituale und Symbole, all diese Äußerlichkeiten einen unheimlichen Einfluss auf meine emotionale Befindlichkeit. So als würden sie mir signalisieren: Es geht los! Mach dich bereit!

Hier, wo all das fehlt, scheint Weihnachten nahezu unmöglich zu sein.


Eine Erkenntnis, die mich überrascht und nachdenklich macht. Denn EIGENTLICH weiß ich doch worum es geht.

Predige es mir und den anderen jedes Jahr. Es geht um IHN. Um Jesus. Der sich für mich entschied. Ich war es ihm wert. Meine Freiheit. Sie war IHM alles wert. All den Schmerz, all den Verlust, all die Kälte und all die Dunkelheit durch die er ging. DAS ist Weihnachten. DAS ist der Kern, der doch eigentlich unabhängig von der Hülle ist, in die wir ihn verpacken. Eigentlich weiß ich das. Und doch fällt es so schwer, Weihnachten hier zu greifen. Sogar am Adventssonntag. Hm… Stoff zum Nachdenken…


Ansonsten habe ich in den letzten anderthalb Wochen eine "Sightseeing-Pause" eingelegt.

Um all die Bilder setzen zu lassen, ein wenig Zeit für andere notwendige Erledigungen frei zu räumen und zu sondieren, was ich vielleicht ein zweites Mal sehen möchte und welche neuen Ziele noch sehenswert sein könnten.

Daneben musste ich verkraften, dass meine Schwester nun doch nicht mit mir Australien verunsichern wird, was bedeutete, Pläne aufzugeben und umzuschmeißen - nachdem die Tränen getrocknet und die Taschentücher beseitigt waren.


Das verschaffte mir allerdings einige Gelegenheiten, mit der entzückenden deutschen Lea Melbournes ebenso entzückenden Stadtteil St. Kilda zu erkunden und Zeit mit "meinen" Australiern zu verbringen.

Ihre Freundlichkeit, ihr Interesse und ihr Humor machen es mir leicht, über meinen Schatten zu springen, mich immer wieder neuen Leuten zu öffnen und mein Englisch durch unzählige Fehler zu verbessern. Ich habe in den letzten Wochen nicht nur "Dornrosken waaar war aaain schoooune Kind" als die letzten Überreste eines irgendwann abgesessenem Deutschunterricht identifiziert und habe gefühlte 2000 Mal betont, dass ICH Rammstein im Gegensatz zu scheinbar aaaaallen Australiern jetzt nicht sooooo toll finde, NACHDEM ich die obligatorische Frage nach dem Fahren auf deutschen Autobahnen beantwortet hatte.

Ihnen habe ich zu verdanken, dass meine Kamera wieder geht… ohne, dass ich auch nur einen Cent dafür bezahlt habe. Tatsächlich… ins Objektiv war Sand geraten. Doch meine Kamera wurde an fähige Menschen weitergeleitet, die sowohl Knoff-How als auch Werkzeug besaßen um das Objektiv zu zerlegen, den Grund allen Übels zu beseitigen und die Kamera danach wieder funktionstüchtig zu bekommen. Jetzt habe ich sie wieder, bin wieder ein ganzer Mensch und sooo glücklich.

Wenn ich doch zuweilen auch nicht ALLES im Bild festhalten will...:






















An einem Samstag Abend waren wir in Melbourne unterwegs. Auf dem Weg in die Stadt gab es einiges zu sehen: Reiche Viertel, deren Straßen von sündhaft teuren Brautmodengeschäften und Boutiquen gesäumt waren, Melbournes Wolkenkratzer und die geschäftige, aufgebretzelte und weitgehend gut gelaunte Menge auf dem Weg in all die Clubs, Pubs, Cafés und Theater.

Soweit so gut. Als wir dann allerdings an einer Ampel direkt an Melbourne Albertpark zum stehen kamen, kam ich nicht umhin, die riesigen Fensterfronten eines großen Hotels direkt an der Straße zu betrachten und entdeckte da hinter der Fensterscheibe im fünften oder sechsten Stock eine vermeintliche griechische Statue. Die Arme in die Hüften gestemmt, den Blick in die Weite gerichtet, sich in voller Größe der Welt hingebend… unbekleidet. Und mit unbekleidet meine ich… wirklich unbekleidet. Total unbekleidet. Der Umstand, dass sich vermeintliche Statue dann plötzlich bewegte (aber nicht um sich anzuziehen… NEEEEEEIIIIN… nur um den Kopf in "was kostet die Welt Manier" von rechts nach links zu schwenken) löste in mir eine dezente Hysterie aus.

Ich glaube, nun haben meine australischen Freunde auch DIESE Seite von mir kennen gelernt… DIE Steffi, die mit weit aufgerissenen Augen quietschend auf dem Rücksitz herumhoppelt und immer wieder "There was a naked maaaaaan" skandiert, hin und wieder aufgelockert durch ein dezentes "AAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHH!"


Ähhhh… ja. Nach meinem naiven Dop-Bear Reinfall und der Tatsache, dass ich irgendwie JEDES Mal bevor wir aufbrechen nervös meine Handtasche nach Handy und Schlüssel durchsuche (Was heißt durchSUCHEN! Ich tauche gewissermaßen in meiner Tasche… versuche auf den Grund zu kommen und finde dabei alles mögliche, nur nicht das was ich will. Räume alles aus um dann im allerletzten WINZIGEN Fach das zu finden was ich suche. Das alles untermalt von nervösen Lauten und panischen "Where's my key!? Did I lost my mobile!?" Ausbrüchen), ganz zu schweigen von dem Umstand dass ich auf Parkplätzen immer mein Auto suche und für jede auch schon tausendmal gefahrene Strecke immer wieder eine Wegbeschreibung will, kennen sie nun auch DIESE äußerst vorteilhafte Seite meiner selbst.

Solange sie mich immer noch mitnehmen, bin ich glücklich. Und WENN es aus Mitleid ist…


Was ganz gut in dieses Konzept passt, ist eine kleine Episode, die ich mit Q in der letzten Woche erlebt habe.


Ich war zwei Tage ein wenig kränklich und lag viel auf dem Sofa. Q saß neben mir auf dem Boden, wirkte eigentlich ganz zufrieden und untersuchte mit ernstem Gesichtsausdruck und sehr seriös klingenden Lauten dies und das. Auch mein Handy, das irgendwie im Laufe der Untersuchungen herunterfiel und seinen Akku verlor. Ach… nich so schlimm! Ohne Akku, kann ja nix passiiieeeeeren!

Und plötzlich verschwand er. MIT meinem Handy… ein Detail, dass mir irgendwie entgangen war, bis ich ein leises "ohhhh" aus Richtung des Badezimmers hörte.

Ich folgte Geräusch und Intuition und so standen wir nun beide da und betrachteten ein Wunderwerk der Technik… unter Wasser… auf dem Boden der heimatlichen Toilette. Ja, tatsächlich. Q war mit meinem Handy direkt ins Badezimmer seiner Eltern marschiert und hatte selbiges zielstrebig in der Toilette versenkt. Was auch sonst? Jaaaa Rick… ich sehe dich DIREKT vor mir! Wie du dir die HÄNDE reibst, wenn du das liest und Genugtuung empfindest für das, was ICH dir damals antat. Wie gut, dass ICH dich inclusive deines einzigartig antiken Handys nur in den See geworfen habe, oder!? Da kannst du mal sehen, was alles so möglich ist! :D Aber weil ich damals so herzzerreißend Buße getan habe, wurde auch mir Gnade gewährt. Denn todesmutig habe ich mein Telefon den Fluten entrissen und es liebevoll getrocknet - Fürsorge, die es mir nun mit wieder hergestellter Funktionstüchtigkeit dankt. Die einfachen Dinge sind doch hin und wieder die Besten! So lange mein Mobiltelefon DAS mitmacht, braucht es keine Kamera! :D


Wenn DAS kein Weihnachten ist!?

Die wunderbare Wiedergeburt von Kamera und Handy… ganz ohne Finanzspritze, ganz einfach geschenkt.


Ich hoffe, ich kann ihn noch finden. Den Kern der Weihnacht. Für mich persönlich. Und ihn in mein Herz pflanzen. So dass er dort Wurzeln schlagen kann und Blätter, Blüten, Früchte treibt. Früchte, die ich verschenken kann und die mit SICHERHEIT keine blinkende Lichterkette tragen müssen!


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