Montag, 9. November 2009

Mächtig gewaltig


Hatte ich mich eigentlich JE über das Wetter beschwert?


Ich hebe meine Hände, hisse die weiße Flagge und nehme alles zurück!

Denn die Regenwolken haben uns verlassen und hinterlassen einen strahlend blauen Himmel, der viiieeeel Platz für die Sonne bietet. Welche diesen voll nutzt und uns Temperaturen um die 30 Grad beschert. Das wird seitens der Australier mit Barbecues, reduzierter Kleidung, Sonnencremeschichten und Klimaanlagen honoriert: Der Sommer ist da. Aber wie! …Was die Melbournianer allerdings nicht davon abhält, ihre Stadt dezent weihnachtlich zu dekorieren. Mit Weihnachtsbäumen, Sternen und JAAAA Schneeflocken. Weihnachtsbäume und Sterne… OK. Das verkraftet mein Erzgebirgsherz GERADE noch so. Aber WER bitte ist auf diese Schneeflocken-Idee gekommen? Bestimmt derjenige, der entschieden hat, erwähnte Klimaanlagen zu solchen Höchstleistungen zu treiben, dass man bei Betreten des Supermarktes am liebsten die Skibekleidung anlegen möchte. Wohl eine Reminiszenz an die Novemberkälte in Good old Europe?

Ich für meinen Teil habe mein Räuchermännchen schon mal rumgezeigt und seine Inbetriebnahme angekündigt. Und beim Anblick meines Magic Snow Powders (hahaaa… wer es noch nicht kennt darf gespannt sein!) zucken mir hin und wieder die Hände. Aber NOCH ist die Zeit nicht gekommen… NOCH nicht!



Die Zeit bis zum ersten Adventssonntag

überbrücke ich derweilen mit Q, Supermärkten, Putz- und Kochutensilien, Wäsche, Parks und - nicht zu vergessen- Babyschwimmen. Das ist selten spektakulär, lässt sich aber gut bewältigen und macht mir recht viel Spaß. Da im Moment Qs Großmutter aus den USA zu Besuch ist wird das Ganze auch selten langweilig, da ursprünglich aus Spanien stammt und dies in ihrem Temperament nach außen zu tragen pflegt.

Sie findet IMMER ein Thema, über das es sich zu sprechen lohnt… Immer. :)

Das liegt mir wiederum sehr, da ich so lerne, Pekapies zu backen, eine Einführung in spanische Geschichte und amerikanische Lebensart erhalte und in Lobgesänge über Europa einstimmen kann. Nebenbei lernt Q Laufen und ich Englisch sprechen. Beides geht mal besser, mal schlechter aber hoffentlich vorwärts.


Und an meinen freien Tagen staune ich.

Über Melbourne, die Stadt, deren Formel-1 Strecke ABSOLUT unspektakulär ist, die Stadt, in der man Schuhe auf die Leine hängt, in Casions Flip Flops trägt und auf Liegestühlen dem Pferderennen huldigt. Darüber, dass Postkarten ohne Briefmarke tatsächlich in Deutschland ankommen und nur DREI Tage brauchen. Und weiterhin über die Schönheit dieses Landes, die so schwer fassbar ist. Am Wochenende in Wilsons Promontory, einem Nationalpark 300 km südöstlich von Melbourne.


Über einen kleinen Umweg bin ich an eine freundliche Gemeinde geraten, die mich jeden Sonntag neu begeistert. So hab ich eine Handvoll verrückter Australier kennen gelernt, die mich einladen, vorstellen, mitschleppen, ausfragen, die "Schnie Schna Schnappi..." singen können und sich mit "99 Luftballons" in die Ekstase treiben lassen :D (Dabei kenne ich den Text noch nicht mal wirklich. Ist aber egal. Solange es sich deutsch anhört, könnte ich denen wohl ALLES vorsingen!)


Mit ihnen war ich nun in erwähntem Nationalpark Zelten…




..habe die Auswirkungen der Buschfeuer im Februar gesehen, die Sonne genossen, bin auf quietschenden Stränden gelaufen und habe 1000 winzige Krabben um mich herum aus dem Sand krabbeln sehen. Ich bin in sengender Hitze gewandert und habe beschlossen, mir einen Aussie-Sonnenhut zu kaufen. Ich habe knallgrün-rote Papageien gesehen und ein hungriges

Wombat, das um das Zelt schnaufte - in der Hoffnung, etwas von unserem Essen zu erbeuten. Das hat es zwar nicht geschafft,

mich aber in der Nacht um den Schlaf gebracht, da ich jedes Mal, wenn sich etwas im Zelt regte, die "Wombat-ich-werde-dich-erlegen-Haltung" einnahm. Man hatte mir nämlich nicht nur eingeredet, dass es böse Koalas gäbe, die sich von den Bäumen auf Menschen stürzten um sie zu töten, sondern auch, dass Wombats nachts in Zelte einbrächen, um mein (nicht vorhandenes) Essen an

sich zu reißen. Ich habe beides geglaubt (und bin im Falle der Koala-Geschichte nicht mal stutzig geworden, als sie mir verrieten, dass das geheime Abwehrmittel gegen den "Drop-Bear-Angriff" sei, sich australischen Brotaufstrich hinter die Ohren zu schmieren… Ich hab immer nur "really" gequietscht und mich wohl total zum Ei gemacht… Naja… ist der Ruf erst ruiniert…) und habe nachts seeeehr schlecht geschlafen.


Dafür konnte ich den Sternenhimmel sehen. Den, der südlichen Hemisphäre. Ohne die Lichter der Stadt. Er schüttete sich über mir aus - unendlich viele Sterne… bis zum Horizont. Ich stand minutenlang da. Sprachlos. Die Augen zum Himmel gerichtet: Wie klein wir doch sind.


Und dann kam er… der große Moment. Steffi, der Ozean und das Surfboard.

Zu verdanken hatte ich all das Nathan, der am Samstag nachkam und tatsächlich ein Surfboard auspackte. Ein echtes Surfboard… Meine Chance! Ich musste ihn gar nicht lange überreden. Er sah meinen hypnotisierten Blick, grinste mich an, drückte mir das Board und seinen "Rushi" in die Hand und schon waren wir auf dem Weg in das a…kalte Wasser. Ich gebe zu, ich habe es nicht geschafft, aufzustehen. NOCH nicht! :D Dazu war das Board zu kurz, die Wellen zu klein und das Wasser zu kalt. Aber ich habe alles gegeben, zwei drei Wellen gekriegt und immerhin meine Knie auf das Brett bekommen. DAS war nur der Anfang… gebt mir 6 Monate und DAAAANN...! :)

Dennoch merke ich, dass die Menschen und die Sprache ungewohnt und neu sind. Es fällt manchmal schwer, auszudrücken, was ich denke. Hin und wieder ringe ich nach Worten, suche nach dem richtigen Begriff und werde nicht immer verstanden. Somit ist es nicht so einfach, am Gespräch teilzuhaben… ich selbst zu sein. Oft sitze ich da und beobachte, höre zu und versuche dennoch an der Gemeinschaft teilzuhaben. Gar nicht so einfach. Das, was mir am Meisten fehlt, ist all das, was ich sehe, mit denen, die mir vertaut sind, zu teilen. Heimat als der Ort an dem man mich kennt, so wie ich bin, ist und bleibt etwas Besonderes. Auch in Wilsons Prom… :D


Zu viele Bilder für den kleinen Blog. Und zu viel Schönheit für meine Fotos. Daher wieder die Entscheidung für ein kleines Video und der Versuch, das Erlebte mit euch zu teilen.

So gut ich kann.


1 Kommentar:

  1. Phantastisch!

    Hab gerade den letzten Post gelesen und wollte nebenbei frühstücken - keine Chance, mir blieb ja der Mund offen stehen... ;o) und zwischendurch musste ich noch dazu viel zu oft lachen ("Wombat-ich-werde-dich-erlegen-Haltung" - ich kann mir dass so bildlich vorstellen: zusammengekniffener Mund, hervortretende Augäpfel - da ergreift selbst der ausgehungertste Predator lieber die Flucht)... genialer Post!

    Was du da schilderst ist ja SO abwechslungsreich und einfach nur TRAUMHAFT! - ich, wir alle freuen uns mit dir und sind in Gedanken bei dir. Danke, dass du uns - deine Freunde und Familie - so nah an deinem Abenteuer Teil haben lässt!

    der Thombey

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