Da ist es nun… das neue Jahr.Fast noch unberührt. Der Weg liegt wieder neu vor mir, mit all seinen Bergen und Tälern und den Biegungen, die mir den Blick auf das versperren, was kommt. Hm. Was werde ich wohl alles sehen? Mein Bedarf an Spinnen wäre jedenfalls für die nächsten Jahre gedeckt *g*
Ich weiß noch nichtmal, ob ich's denn wissen wollte. Mich auf den nächsten Schritt zu konzentrieren, mich nicht von der Angst vor dem übernächsten lähmen zu lassen. Mich an den Dingen am Wegesrand zu erfreuen anstatt vor Sorge, den Gipfel nicht zu erreichen, den Blick zu senken. An Wegkreuzungen auch mal meinem Herzen zu folgen… Das alles ist wohl ein Ertrag des Jahres 2009. Nicht dass ich all das nun beherrschen würde. *lach* Aber ich habe es ausprobiert. Hab immer wieder neu Anlauf genommen, bin gestolpert, gefallen, aufgestanden. Hab mich vorgetastet, manchmal geschimpft und geseufzt und ja… bin hin und wieder auch stehen geblieben. Wie gut, dass sie da waren, die Wegbegleiter… sie haben mir zugehört (jaaaa… manchmal sogar bis zum Sonnenaufgang!), mich ermutigt, nach Auswegen gesucht und geholfen, haben manchmal geschimpft, gebetet, geteilt und bewirtet… *hach*
… und ihren Kopf hingehalten, wenn Steffi alle Register der "wie-blöd-kann-man-eigentlich-sein" Orgel gezogen hat.
Bedeutet im Klartext: Kofferraumklappe auf, Handtasche rein, Einkaufsbeutel hinterher, Kofferraumklappe zu. Klingt jetzt nicht so spektakulär? Nun ja… das wäre es auch nicht gewesen, wenn besagte Handtasche nicht (neben 200.000 mehr oder weniger verzichtbaren Kleinteilen) Autoschlüssel, Hausschlüssel, Portemonnaie, Pass UND -tataaaaa- Hand mitsamt allen wichtigen Nummern enthalten hätte. Noch bevor das klangvolle "rumms" verhallt war, wusste ich, dass ich ein Problem hatte… 20 km weit weg von zu Hause, lediglich bewaffnet mit einem Kleinkind, umgeben von einem Reifenhandel und einem Großmarkt für Obst und Gemüse. Sah so aus, als bräuchte ich Hilfe… DRINGEND! Im Nachhinein betrachtet, finde ich es fas erstaunlich, wie ruhig ich geblieben bin… also für MEINE Verhältnisse *grins* Das Wissen um die Verantwortung für den mir anvertrauten Q, der emsig kleine Steinchen von A nach B schleppte und dabei sehr seriös klingende Laute von sich gab, ließ mich sehr zielstrebig agieren, wozu gehörte, alle Anflüge von Panik gegen zielführende Aktivität einzutauschen. Irgendwie MUSSTEN wir in das Auto kommen oder zumindest jemanden erreichen… und irgendwie WÜRDEN wir es schaffen.
Nun ja… und da ich auf die "Ruf doch einfach die Auskunft an und frag nach der Firmennummer des Vaters" erst im Nachhinein kam (naaajaaaaaaaaaa… ich hab doch gesagt: Für MEINE Verhältnisse ruhig *g*!) wurden wir dadurch zum Fall für ganz oben. Jaaaa… für GANZ oben! Denn nachdem ich sofort im Großmarkt um Hilfe gebettelt hatte, sich deren Hilfsangebot jedoch auf die Möglichkeit eines Anrufes beschränkte (was ohne Nummern ja irgendwie nicht allzu zielführend war…) kam er auch schon: Mein persönlicher Engel. Ohne Flügel (ich hab den Eindruck, die sind bei Erdeinsätzen nicht allzu angesagt), dafür aber mit mächtig breitem Kreuz und beeindruckend schmutzigen Arbeitsschuhen. Der schaffte es zwar nicht, mein Auto aufzubrechen (ja… er HAT es versucht… geschlagene 30 min lang. Aber es hat sich erfolgreich gewehrt und alle seine Knöpfe fest nach unten gedrückt… das BIEST!), machte mir aber Mut, suchte nach Lösungen und schließlich mit mir eine halbe Ewigkeit lang die Firma von Q's Vater. Die lag nämlich nicht allzu weit von unserem Standort entfernt… nur war mir dummerweise die Adresse entfallen. Und was in Australien "Hier gleich in der Nähe" heißen kann, hatte ich ja bereits erwähnt. Als wir sie schließlich tatsächlich fanden, fielen mir Gebirge vom Herzen. Und er verschwand… noch bevor ich ihn nach seinem Namen fragen konnte. So konnten wir uns nicht einmal erkenntlich zeigen… So viel Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Zeit an eine Fremde zu verschenken und das mitten im Alltag finde ich echt vorbildlich!
Was bleibt, sind ein Berg Dankbarkeit, eine ganze Portion Ärger über mich selbst und eine akkute "Schlüssel-im-Auto-einschließ-Phobie", die hoffentlich verhindert, dass mir sowas nochmals passiert. Zumindest für die nächsten 20 Jahre :)
Daneben hatte ich das Privileg, in den letzten Wochen in australische Weihnachtsbräuche eingeführt zu werden.

Zu denen gehörte auch die Teilnahme an "Carrols by Candlelight", einem kollektivem Weihnachtsliedersingen im Park, zu dem sich tatsächlich mindestens 1000 weitgehend rotbemützte Australier mit Picknikausrüstung und (tataaaaa: Waldbrandgefahr) blinkenden Plastik-Kerzen im Grünen einfanden, um gemeinsam mit Orchester und diversen Profis "Jingle Bells" und andere Absurditäten zu schmettern: Einfach anders, sehr sympathisch und wie ich finde typisch "aussie".
Genau wie die so genannten "Christmaslights", die mir schlussendlich nun doch meinen Kulturschock bescherten. Jaaaa...
auch hier schmückt man die Fenster… und nicht nur die. Zwar nicht überall, aber wenn, dann richtig. Dafür kidnappt man dann auch schon mal Homer Simpson, steckt ihn in Santa-Claus-Uniform und zwingt ihn dazu, Weihnachtslieder im Vorgarten zu performen. Wenn man sich dann noch dazu hinreißen lässt, eines der in kleinen Buden am Straßenrand angebotenen Laserschwerter zu kaufen, die das ganze Ambiente mit farbenfrohem Lichterspiel und klirrender Wiedergabe des (unbestreitbar ultimativ weihnachtlichem) Klassikers "Axel F" abrunden, ist das Glück perfekt. Jaaaaa… da leuchten nicht nur die Kinderaugen sondern mit Sicherheit auch die der Energieversorger… Weihnachten: Das Fest der Nächstenliebe.
Abreagiert habe ich mich dann auf der Great Ocean Road - einem der Wahrzeichen Australiens, das als Kriegsdenkmal errichtet wurde und nun die Möglichkeit bietet ca. 200 km mehr oder weniger direkt an der Südküste Australiens entlang zu cruisen. Mein erster kleiner Roadtrip über zwei Tage, mit Koalas, Regenwald, berauschenden Aussichten, tollem Wetter (zumindest an Tag 1…), 100000 Fotos und dem besten Eis der Welt! Die Werbung für den kleinen Betrieb, in dem das Eis offenbar mit viel Liebe selbst hergestellt wird, hatte ich auf einem Flyer entdeckt, den ich irgendwann mal irgendwo eingesammelt hatte (genau wie 563 andere, die nun die Belastbarkeit meiner Nachttischschublade HART auf die Probe stellen… aber man KÖNNTE sie ja doch vielleicht IIIIIRGENDWANN mal noch brauchen…). Und oh WUNDER: Ich fand ihn im richtigen Moment wieder und wir labten uns an überdimensional großen Wunderkugeln. Genauso nachhaltig, wenn auch in anderer Hinsicht, war der Anblick der 12 Apostels. Auch wenn schon lang nicht mehr 12 spitze Felsen in der Nähe von Apollo Bay aus dem Ozean ragen, gehören sie wohl noch immer zu einem der Höhepunkte der ganzen Strecke. Wir hatten das Glück, genau zum Sonnenuntergang dort anzukommen, der die ohnehin schon roten Felsen und den roséfarbenen Sand zum Glühen brachte und mir postkartenreife Fotos bescherte. Unglaublich. Wenn ich mir die Fotos im Nachhinein noch einmal anschaue, fällt es mir fast schwer zu glauben, dass ich wirklich dort war.
Die verbleibende Zeit war gefüllt von allerlei Alltagen, Fortschritten von Q (jaaaaaaaa: ICH habe ihm das Bye-Bye-Winken beigebracht, was er jetzt auf Knopfdruck kann. Geradezu ein Paradebeispiel für alltagsrelevantes Lernen!!! *g*), Weihnachtskarten, Sommertemperaturen und Strandbesuchen, ein wenig Heimweh, unzähligen Skype-Telefonaten und dem Suchen und Finden von Weihnachten. Ja… Finden. Auch wenn mir Familie, Kälte, Lichterglanz und Weihnachtsduft wirklich gefehlt haben, war es doch ein sehr besonderes Weihnachtsfest für mich. Schwer zu beschreiben… es war, als ob ER auf mich gewartet hätte. Wie, als hätte er mir zugezwinkert, mit einem Lächeln im Gesicht: "Los komm! Grund zum Feiern…" Und das haben wir gemacht. Ich mit Sommerkleid und Sandalen… die ich erste mal in meinem Leben zu Weihnachten getragen habe :) Zum Mittag gab es Sushi (oh jaaaa, ich weiß… Sushi zu Weihnachten… das hat nahezu anarchistische Züge) und am Abend sind wir nach dem Gottesdienst tatsächlich noch gemeinsam weggegangen. Haben lecker gegessen und lecker Cocktails getrunken. Weltpremiere… und sooo gut.
Am 25. war ich schließlich von einer australischen Freundin zur Familienfeier eingeladen. Hier gab es bunt gemischtes Essen, herzliche Polen, Tschechen und Australier UND zum Abschluss sogar Rosen aus dem Garten. Im Dezember :)
Mit Sicherheit: In diesem Jahr werde ich die Erzgebirgsweihnacht im Kreise meiner Familie doppelt genießen. Aber mein besonderes Weihnachtsfest im Jahr 2009 werde ich wohl nie vergessen.
Nun, da ich hier bei nahezu tropischen Temperaturen auf meinem Bett liege und diese Zeilen schreibe, liegt das alles schon fast zwei Wochen zurück.
An Silvester hat mich die Hitze so sehr geschafft, dass ich mich am Abend eigentlich nur noch nach einem Bett aus Eiswürfeln gesehnt habe. Die 35 Grad Außentemperatur hatten nach zwei Tagen jeden Winkel des Hauses erobert (hatte ich bereits erwähnt, dass wir zu den ausgewählten Haushalten in Australien gehören, die KEINE Klimaanlage und KEINEN Pool besitzen!?) was bedeutete, dass es außer dem Supermarkt keine wirkliche Zuflucht mehr gab.
Da ich mich aber dann doch gegen die Müdigkeit und für die Gemeinschaft entschied, habe ich den Silvesterabend mit etlichen Leuten aus der Gemeinde verbracht. Nun… Singstar und Guitar-Hero sei Dank gab es viel zu lachen. Und dennoch habe ich mich ein wenig fremd gefühlt. Drei Monate sind eben doch nicht die Welt und Vertrautheit braucht Zeit. Und da wir zu weit von der City entfernt waren, die zudem zu späterer Stunde noch im Platzregen versank, habe ich nicht Melbournes Feuerwerk gesehen (dafür aber das von Sydney - im TV :D).
All das war aber für mich nur halb so schlimm. Zum Jahreswechsel, auf der Schwelle zwischen altem und neuem Jahrzehnt, in Australien zu sein, auf das Jahr zurückzublicken und zu sehen, wie sich manches gewandelt hat, hat völlig ausgereicht, um mich lächeln zu lassen. Leise und nur für mich. Aber voller Hoffnung und mit ein wenig Abenteuerlust. 2010… da bin ich, um dich zu erobern!
Hi Steffi, erstmal ein gesegnetes neues Jahr, bei mir auf dem Schreibtisch liegt immer noch die nicht verschickte Weihnachtskarte...
AntwortenLöschenuns geht es gut und wir vermissen dich sehr
ich freu mich, dass es dir so gut geht
deine franzi