Klingt irgendwie gar nicht so lang. Die letzten Wochen vor meiner Abreise vergingen irgendwie so schnell, dass ich manchmal dachte, ich wuerde es nicht mehr schaffen, alles Notwendige vor dem Abflug zu erledigen... aber die erste Woche hier war fuer mich so intensiv, dass es mir vorkommt, als sei ich schon viel laenger hier.
Vielleicht liegt es daran, dass hier doch alles ziemlich neu ist. Nicht alles. Aber vieles. Ich glaube, DER Kulturschock wird wohl zunaechst ausbleiben... aber warten wir mal Weihnachten ab.
Man prophezeite mir 40 Grad, surfen und Strand. Das koennte sich verrueckt anfuehlen. Und wahrscheinlich nicht wie Weihnachten... Aber darueber denk ich spaeter nochmal nach.
Und da die Wolken hier die gleiche Funktion haben wie zu Hause, hab ich doch oft vorsorglich die weisse Flagge gehisst und bin im Haus geblieben (das auf Kaelte absolut NICHT ausgelegt ist. Ich frag mich, wer hier die Wartung macht *g*)
Das hatte zwar zum einen den Effekt, dass ich noch nicht allzu viel von Melbourne und der Umgebung gesehen habe, gab mir aber andererseits die Gelegenheit mich hier so gut es geht zurechtzufinden und mich ein wenig heimischer zu fuehlen.
In den kurzen Regenpausen hat es dann zu ein paar wenigen
Als wir am Freitag aufbrachen, um das Auto zu holen, hatte ich naemlich dezent unterschaetzt, was sich alles damit verbinden wuerde...
Das erste, was mir in dem Zusammenhang sehr eindruecklich vor Augen gefuehrt wurde, war das australische Entfernungsempfinden. Ich hab nun gelernt, dass "...just down the road..." nur Schlappe 100km sind und dass "...not far from here..." eine Chiffre fuer Strecken ueber 25 km ist.
Nun, da ich davon ausging, man koenne von hieraus nach Neuseeland gucken, scheine ich ja die geborene Australierin zu sein. Eines Tages werde ich es bringen... Ich werde im Bikinie hier aus dem Haus gehen und sagen, ich wuerde mal kurz "down the ocean" in Neuseeland vorbeischauen, sei aber zum Abendbrot wieder zurueck.
Also erstmal aufschliessen und einsteigen... und wieder aussteigen und auf der RICHTIGEN Seite einsteigen, denn genaaaau: Da war doch was anders! Nun, ich nehme vorweg: Ich bin angekommen und sowohl Fahrerin als auch Auto erfreuen sich noch immer bester Gesundheit. Allerdings bedurfte dies auch harter Arbeit - fuer BEIDE Seiten *g*
Da hier wirklich so ziemlich alles seitenverkehrt ist (bis auf Bremse und Gaspedal, wie guuuut! *g*), habe ich bestimmt 10 mal die Scheibenwischer angeschaltet, als ich blinken wollte und fast genausooft an die Tuer gefasst, mit dem Ziel, in einen anderen Gang zu schalten. Dazu kam dann eben noch der nicht zu unterschatzender Linksverkehr, der in Melbourne schlagartig begann, Klumpen zu bilden, da wir genau zum Berufsverkehr quer durch die City mussten.
Also... fuer die, die es nicht wissen: Ich habe mich mit einer Freundin bereits auf dem Weg von Berlin nach Dresden nach Polen verirrt ohne es zu merken. Erst als wir den Grenzuebergang sahen, fiel uns auf, dass all dieser Aufwand fuer den Uebergang in ein anderes Bundesland eventuell etwas uebertrieben sein koennte...
Nun ja. Zwar ist das schon ein paar Jahre her, ht mich aber dennoch dazu veranlasst, pedantisch an Rowenas Stossstange zu kleben und alle, die sich zwischen uns draengten, durch ein gezischtes "Mach die vom Aaaaackeeeer..." zu vertreiben. Ziemlich erfolgreich, wie sich zeigte, denn ich schaffte es tatsaechlich, sie nicht zu verlieren und kam, wie bereits erwaehnt, wieder da an, wo wir gestartet waren.
Gleich am naechsten Tag wagte ich derartiges nocheinmal, allerdings, um den Schwierigkeitsgrad ein wenig zu erhoehen, allein. OK. Ich gebe es zu. Ich war nicht ganz allein. SIE war bei mir. Meine neue Freundin Lisa (in Fachkreisen auch unter dem Decknamen "Karin" bekannt *g*). Sie ist schwarz, sehr nett, spricht sogar deutsch und kennt sich hier echt gut aus. Ich habe sie an die Windschutzscheibe geklebt und ihr gesagt, dass ich zu einem Au-Pair Frueshtueck in die City will. Da hat sie ihre netteste Stimme hochgefahren, gelacht, gesagt: "ACH! Kein Problem! Nur 35 km, das liegt ja gleich um die Ecke!" Und los ging's.
So war das alles nur halb so schlimm und mit der Zeit beginnt es sich langsam normal anzufuehlen.
Im uebrigen... meine Gastelterm waren um diese Zeit auf Philipp Island zum MotoGP. Ich hatte die Gelegenheit mitzufahren, musste mich aber entscheiden und hab das Fruestueck gewaehlt. Ich hatte ja keine Ahnung.... :) Habe mir aber vorgenommen, mir das naechste Woche auf eigene Faust nochmal anzugucken. Da sind zwar die Motorraeder weg, aber die Pinguine hoffentlich noch da... und DIE will ich wirklich gern sehen *lach*
Heute, Sonntag, war ich nun das erste Mal hier im Gottestdienst.
So weit weg vom Vertrauten mit voellig fremden Leuten Gottestdienst zu feiern hat mich sehr beruehrt. Es tat so gut zu wissen, dass alle anderen, die da waren, die gleiche Basis haben.
Egal wo ich bin. ER ist der selbe. ER ist da. Hartnaeckig. Liebevoll.
Wirklich... sehr beruehrend fuer mich.
Nun hab ich dort angefangen, ein paar Kontakte zu knuepfen. Klingt spektakulaerer als es ist :)
In der Realitaet bedeutete das, dass mich ein Ehepaar angesprochen hat und wir ein wenig ins Gespraech gekommen sind. Mal sehen. Sie haben meine Mailadresse und leiten diese hoffentlich weiter. Sie machten mich schliesslich mit einer australischen Lehrerin bekannt, die mich am
Hach!
Unser Vorhaben, danach in der Stadt noch einen Kaffee zu trinken scheiterte leider an der fehlenden Parkluecke.
Dafuer habe ich aber das erste Mal das Meer zu Gesicht bekommen.
Noch ein wenig grau und zugegeben hier in der Stadt auch ein wenig schmutzig. Aber Meer is Meer!!!
Jedenfalls werde ich Melbourne nochmal besuchen... aber mit dem ZUG!
Auf den ersten Blick merkt man die "fehlende" Geschichte... Europa hat da einen echten Vorteil, den man deutlich sieht.
Aber ich will dem Neuen eine Chance geben *lach* - deswegen bin ich ja hier.
Nun... die erste Woche ist vorueber.
Ich bin so dankbar, dass bisher so vieles gutgegangen ist, ueber das ich mir im Vorfeld Sorgen gemacht habe. Ich hoffe, ich kann diese Erfahrung in meinem Herzen verwurzeln und am Ende mit nach Hause nehmen. Ich glaube, das wuerde mir und meinem Umfeld gut tun :)
Ich werde mein Bestes dafuer tun... schon in der naechsten Woche, die darauf wartet, gelebt zu werden.
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